Sie war eine der wichtigsten Stimmen der Nachkriegszeit und eine Frau, die sich nie klein machen liess. Am 25. Juni 2026 wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Geboren in Klagenfurt, gefeiert in der Gruppe 47, später zerrissen zwischen Ruhm, Liebe, Krankheit und dem unbedingten Drang, eine eigene Sprache zu finden.
Genau dort setzt der neue Kinofilm "Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war" (ab 25. Juni) an. Regisseurin Regina Schilling erzählt kein klassisches Dichterleben, sie begibt sich auf eine poetische Spurensuche, in der Archivmaterial, Interviews, Bachmanns Texte und improvisierte Szenen ineinandergreifen. Im Zentrum steht Oscar-Star Sandra Hüller ("Anatomie eines Falls"), die Bachmann nicht einfach spielt, sondern sich ihr annähert – als kluge, verletzliche und radikale Frau.
Der Film stellt sich einen Tag in Bachmanns späterem Leben in Rom vor. Ihre Wohnung ist Rückzugsort und Gefängnis zugleich. Ihr Roman "Malina" liegt hinter ihr, Preise und Interviews auch. Doch die berühmte Autorin findet keine Ruhe. Der Film vermeidet es bewusst, diesen Tag zum letzten ihres Lebens zu machen. Hier geht es um ihr Werk und um die Wucht ihrer Worte.
Schilling lässt Bachmann vor allem selbst sprechen. Aus Reden, Briefen, Tagebüchern, Interviews und literarischen Texten entsteht das Bild einer Künstlerin, die sich jeder Vereinnahmung entzog. Beleuchtet werden in Fragmenten ihre Kriegskindheit in Kärnten, die Bombennächte in Klagenfurt, die Nachkriegsjahre in Wien, die unglückliche Liebe zu Lyriker Paul Celan, die Freundschaft mit Hans Werner Henze und die schwierige Beziehung zu Schriftsteller Max Frisch.
Bachmann brachte ihr Ruhm auch Angst. Schreibblockaden, Panik, Geldsorgen und Krankheit begleiteten sie. Trotzdem gab sie nicht nach. Nach der gefeierten Lyrik wollte sie Prosa schreiben und sich ihren Platz in einem Literaturbetrieb erkämpfen, der von Männern dominiert war.