Von Mödling nach Hollywood

Filmlegende Otto Nemenz überraschend verstorben

Vom steirischen Judenburg nach Hollywood: Otto Nemenz prägte mit innovativer Kameratechnik die internationale Filmbranche über Jahrzehnte.
Heute Entertainment
04.11.2025, 14:53
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Otto Nemenz (†84) kam 1941 im steirischen Judenburg auf die Welt. Sein Vater war Österreicher, die Mutter Griechin. Aufgewachsen ist er zwischen Wien und Istanbul. "Wie eine wilde Rübe", hat er einmal in einem Interview gesagt. In den 1980er-Jahren wurde er in Hollywood zum Mann mit den besten Kameras. Über vierzig Jahre lang hat er Kameras und Objektive entwickelt, die für viele Filmschaffende wegweisend waren.

Von Mödling nach Hollywood

Nach der HTL in Mödling, wo er Feinmechanik und Optik lernte, startete er beim ORF. Doch als man ihm dort nahelegte, einer Partei beizutreten, um Karriere zu machen, lehnte er ab. Mit 23 Jahren wanderte er nach Los Angeles aus. "Das war mit ein Grund, warum ich nach Amerika gekommen bin. Ich wollte nicht parteipolitisch tätig sein", erzählte er damals.

In Hollywood arbeitete Nemenz zuerst als Kameratechniker bei Panavision. 1966 stattete die Firma den Formel-1-Film "Grand Prix" von John Frankenheimer aus – Nemenz' erster Film, der seine Leidenschaft für Film und Kameratechnik entfachte. Gemeinsam mit John M. Stephens, einem Pionier für Kamerahalterungen, baute er Spezialobjektive für Hochgeschwindigkeitsaufnahmen – egal ob Rennwagen, Flugzeuge, Skirennen oder Schnellboote.

Nach Jahren als Kameratechniker, -assistent und Kameramann begann Nemenz ab 1979, Filme, Serien und Musikvideos mit seinem eigenen Equipment auszustatten. Im selben Jahr gründete er mit 38 Jahren die Firma Otto Nemenz International, Inc. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Vermietung und Wartung von Film- und Digitalkameras, Objektiven und Zubehör.

"Terminator 2" und "Fast & Furious 8"

Mit nur zwei Mitarbeitern – Alex Wengert, der später Geschäftsführer wurde, und seiner zweiten Frau Monika, einer ehemaligen Hubschrauberpilotin aus Vorarlberg – baute er ein Riesenunternehmen auf. Filme wie "No Country for Old Men", "A Beautiful Mind" oder "Fast & Furious 8" wurden mit seinem Equipment gedreht.

Mit "Terminator 2" gelang Nemenz 1991 endgültig der Sprung in den Hollywood-Olymp. Der Blockbuster machte nicht nur Arnold Schwarzenegger (78) weltberühmt, sondern katapultierte auch Nemenz und seinen Verleih zu den ganz Großen. Für den Film wurde ein spezielles Zoomobjektiv entwickelt – eine optomechanische Konstruktion, für die er von der American Society of Cinematographers ausgezeichnet wurde. Den Preis bekam er von Tom Hanks (69) überreicht. "Ich habe auch einen österreichischen Award", erzählte Nemenz einmal. 2005 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Auch mit über 80 Jahren war Nemenz noch aktiv in seinem Betrieb. Er pendelte zwischen seinem Haus in Pacific Palisades und seinem Wohnsitz auf Hawaii, wo er schließlich friedlich gestorben ist. "Otto war schon immer ein Mann mit Visionen", würdigt ihn sein Team auf der Website von Otto Nemenz International. "Otto Nemenz war nicht nur eine Ikone der Filmbranche, sondern auch ein engagierter und leidenschaftlicher Mann, der vielen, die ihm begegneten, als Mentor und vor allem als guter Freund diente."

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