Pandemie-Studie aus NÖ mit "alarmierendem" Ergebnis

Passanten gehen im Gegenlicht in einer Einkaufsstraße. (Symbolbild)
Passanten gehen im Gegenlicht in einer Einkaufsstraße. (Symbolbild)BARBARA GINDL / APA / picturedesk.com
Die Pandemie und die Lockdowns schaden der psychischen Gesundheit der Österreicher. Eine neue Studie aus NÖ zeigt eine deutliche Verschlechterung.

Bereits seit Beginn der COVID-19-Pandemie untersucht das Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Universität Krems die psychische Gesundheit der Österreicher. 

Eine jetzt veröffentlichte Studie belegt nun rund um den Jahreswechsel eine weitere Verschlechterung. Demnach leidet rund ein Viertel der Bevölkerung (26 Prozent) an depressiven Symptomen, 23 Prozent an Angstsymptomen und 18 Prozent an Schlafstörungen. Die Studie rund um den Jahreswechsel umfasst eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe von rund 1.500 Personen.

"Seit der letzten Erhebung im September kam es zu einer neuerlichen, deutlichen Verschlechterung der psychischen Gesundheit. Diese Ergebnisse sind alarmierend", so der Studienautor Christoph Pieh.

Junge besonders belastet

Besonders gravierend sind laut Angaben der Donau-Universität die Ergebnisse bei jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren, die schon in den vergangenen Untersuchungen stets am stärksten belastet waren. Hier kam es zu einem sprunghaften Anstieg von rund 30 Prozent auf 50 Prozent. Auch Frauen, Arbeitslose und Alleinstehende sind besonders stark betroffen.

Das zeige sich auch in einem deutlichen Rückgang der Lebensqualität, die im Vergleich zur Untersuchung von 2019 um rund ein Fünftel abgenommen habe. Ausgenommen sei aber die Gruppe über 65 Jahre, die wie bei den vorangegangenen Studien am besten durch die Krise komme.

"Als besonders belastend werden neben der Pandemie an sich die schwierige wirtschaftliche Lage sowie Folgen und die Maßnahmen zur Eindämmung erlebt", erörtert Pieh. "Hilfreich werden hingegen das familiäre oder soziale Umfeld, Stressbewältigung, Sport oder andere Hobbys erlebt". 

Die Ursachen sind vielfältig, neben der Dauer der Pandemie dürfte aber auch der Erhebungszeitraum rund um Weihnachten und den Jahreswechsel eine Rolle spielen.

Sehr schwere depressive Fälle verzehnfacht

"Die Entwicklung ist besorgniserregend. Ein Viertel der Bevölkerung leidet mittlerweile unter depressiven Symptomen, bei den jungen Erwachsenen gar die Hälfte", berichtet Pieh. Besonders deutlich sei die Veränderung bei den sehr schweren depressiven Fällen, die sich seit dem letzten Jahr verzehnfacht hätten.

"Die bisherigen Maßnahmen reichen offenbar nicht aus, um die psychische Belastung in den Griff zu bekommen. Hier benötigt es ein Umdenken auf vielen Ebenen“, so der Präsident des Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), Peter Stippl.

Blick auf den Campus Krems der Donau-Universität
Blick auf den Campus Krems der Donau-UniversitätDonau-Universität Krems / Walter Skokanitsch

Belastungen ernst nehmen

Wenn aber die Probleme zu groß werden, solle Hilfe in Anspruch genommen werden. "Gerade in schweren Fällen ist eine professionelle Hilfe in der Regel notwendig", erklärt Pieh abschließend. Er empfiehlt: "Der deutliche Anstieg verdeutlicht die psychischen Auswirkungen der Pandemie und bedarf einer raschen und speziell auf die aktuelle Situation angepassten Hilfe."

Rat auf Draht stockt Angebot auf

Auch bei der Helpline Rat auf Draht weiß man von der steigenden Belastung unter den Österreicherinnen. Die Anfragen junger Menschen würden sich immer öfter um schwerwiegende psychische Probleme drehen. Auch Eltern und Bezugspersonen würden immer wieder um Hilfe bitten. Deshalb wird nun das Beratungsangebot speziell für Erwachsene mit einer neuen Plattform aufgestockt – "Heute" berichtete.

Anschober reagiert

Gesundheitsminister Rudolf Anschober reagierte umgehend auf die Studienergebnisse der Kremser Uni. "Die Auswirkungen der Krise, von Verunsicherung über die eigene Gesundheit, bis hin zu Sorgen über die wirtschaftlichen und sozialen Folgen, wirken sich belastend auf viele Menschen in Österreich aus", erklärte er via Aussendung. 

Um weitere Antworten auf die psychosozialen Folgen der Krise zu identifizieren und früh zu adressieren, wird nun ein Beraterstab mit Experten aus dem Bereich der psychosozialen Gesundheit eingerichtet.

Video: Studie über die Belastung im September

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