Eine mysteriöse Serie von Cyberangriffen verängstigt gerade Europa. In immer mehr Ländern werden Kühlregale in Supermärkten gehackt und die Temperatur so hoch gestellt, dass Lebensmittel über Nacht verderben. Betroffen waren unter anderem Geschäft in Deutschland, Italien, der Schweiz, Frankreich und Belgien. Mittlerweile wurden aber auch schon Blutbanken Ziel der Angriffe, aufgrund der Kontrollmechanismen blieben die Blutkonserven aber unbeschadet.
Die Angreifer möchten damit verunsichern und destabilisieren, sagt Nicolas Stockhammer, Extremismusforscher der Donau-Uni Krems zu "Heute": "Es geht um ein Panikgefühl, das unsere Lebensmittelversorgung angegriffen wird." Daher werde ganz bewusst diese Art von Infrastruktur anvisiert.
"Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es nach der Handschrift von Akteuren mit Russland-Bezug aus", analysiert Stockhammer. Russland hat in den vergangenen Tagen Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen. "Sie weisen das immer zurück, aber es passt in das Muster", sagt der Experte dazu. Grundsätzlich gebe es aber auch andere "Akteure im staatlichen Bereich, wie den Iran".
Jedenfalls seien die Angriffe vermutlich Teil einer größeren Struktur oder zumindest daran angebunden, meint Stockhammer. "Es kann sein, dass es Einzelpersonen sind oder Hacker-Kollektive. Jedenfalls steckt auf jeden Fall Know-how dahinter."
Es wird auch ein Zusammenhang mit den Drohungen gegen Flüge und Flughäfen vermutet. Die Vorfälle würden in das "Werkzeugset der hybriden Maßnahmen passen".
Dass es in Österreich auch zu solchen Vorfällen kommt, ist laut Stockhammer nicht auszuschließen. Mittlerweile sei man aber schon besser vorbereitet. Schließlich habe man Zeit gehabt, Protokolle zu überprüfen und Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. "Aber davor hat man es lange nicht für notwendig gehalten, diese Anlagen abzusichern, da sie kein primäres Angriffsziel sind. Ein Supermarkt ist schließlich etwas anderes als eine Ölraffinerie, das hatte man lange nicht im Blick."