Paul Pizzera ist bekannt für Schmäh, schnelle Sprüche und dafür, auch ernste Themen gerne mit einer Portion Leichtigkeit anzupacken. Bei einem Song auf dem neuen AUT of ORDA-Album "Die Leichtdichtheit des Seins" (erscheint am 18. September) wird es allerdings sehr persönlich. Die neue Single "Papa" (erscheint am 28. August) beschäftigt sich mit jener Seite einer Vater-Kind-Beziehung, über die weit weniger gerne gesprochen wird.
"Zunächst einmal bin ich total froh über alle Kinder, die ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben", holt Pizzera im Interview mit "Heute" aus. Sein Freund und Bandkollege Daniel Fellner etwa habe ein gutes Verhältnis zu seinem Vater. "Und zu denen gehöre ich halt leider nicht. Hätte ich natürlich auch gern."
Für Pizzera geht es dabei längst nicht nur um seine eigene Geschichte. Vor allem Gewalt gegen Kinder beschäftigt den Musiker. Kinder seien die fragilsten und schützenswertesten Menschen unserer Gesellschaft und gerade ihnen müsse man eine Stimme geben.
Ein aktueller Fall, bei dem ein Mädchen zu Tode geprügelt wurde, habe ihn besonders aufgewühlt. Für Pizzera war klar, dass darüber gesprochen werden muss. Das Thema sei alles andere als angenehm, aber genau deshalb notwendig. "Oft ist 'schwierig' ein Synonym für notwendig", bringt er es auf den Punkt.
Die ersten Ideen zu "Papa" spielte Pizzera schließlich Daniel Fellner und dessen Freundin vor. Gemeinsam wurde der Song weiterentwickelt und bewusst nicht weichgespült. Wo andere Lieder über Eltern von Wärme und schönen Erinnerungen erzählen, sollte "Papa" auch jene Realität zeigen, die weh tut.
„Hoffnung kann auch ein Arschloch sein“Paul PizzeraSänger, Kabarettist und Autor
Besonders offen wird Pizzera, wenn er über die Erwartungen spricht, die Kinder trotz schwieriger Erfahrungen oft lange mit sich herumtragen. "Die Hoffnung kann ja auch ein Arschloch sein", sagt er. Weil man sich immer wieder einrede, dass es vielleicht irgendwann anders werde oder ein Mensch sich doch noch verändern könne.
Genau deshalb ist ihm eine andere Botschaft so wichtig: Menschen mit ähnlichen Erfahrungen sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. Wenn man jemandem mit einem Song das Gefühl geben könne, mit seinem Schicksal nicht allein dazustehen, dann habe man bereits etwas erreicht.
Und obwohl der Song für Pizzera ganz offensichtlich emotionaler Stoff ist, kommt für ihn nicht infrage, ihn bei den kommenden Konzerten auszulassen. Gerade ein Song, der möglicherweise anderen Menschen helfen könne, müsse auf die Bühne. Ihn deshalb nicht zu spielen, wäre für Pizzera der falsche Weg.
Damit dürfte "Papa" auch einer jener Momente werden, bei denen es bei den sonst so energiegeladenen AUT of ORDA-Shows plötzlich ganz still werden kann. Fellner und Pizzera sehen genau darin eine Stärke ihres Programms, vom gemeinsamen Auszucken bis zu jenen Augenblicken, in denen im Publikum jeder seinen eigenen Film im Kopf hat.