Gegen sexuelle Belästigung

Petition fordert U-Bahn-Abteile nur für Frauen

Wegen zunehmender sexueller Belästigung fordert eine Petition in London nun reine Frauenabteile – wie es sie in vielen Städten der Welt bereits gibt.
Nick Wolfinger
23.10.2025, 13:41
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Eine Petition für die Einführung von reinen Frauen-Waggons in der Londoner U-Bahn hat in Großbritannien bereits knapp 10.000 Unterschriften erreicht. Gestartet wurde die Kampagne von der 21-jährigen Studentin Camille Brown, weil "die öffentliche Belästigung von Frauen in der Londoner U-Bahn" ein "wachsendes Problem" sei, für das nach wie vor keine Lösung gefunden worden sei.

Sexuelle Belästigung nimmt zu

Wie BBC berichtet, ist die Zahl der Sexualdelikte in öffentlichen Verkehrsmitteln in London im Vergleich zum Vorjahr um über 10 Prozent gestiegen. In Ganz Großbritannien nahm die Zahl der Fälle seit 2015 sogar um 37 % zu. Dabei sind freilich nur jene Fälle erfasst, die der Polizei auch tatsächlich gemeldet wurden.

In Indien gibt es zum Schutz vor Grapschern bereits auf vielen Strecken reine Frauenabteile, in denen Männern der Zutritt verboten ist
Wikimedia Commons/Ajay Tallam (cc-by-sa-2.0)

Bei 22.100 Anzeigen wegen Sexualdelikten in Zügen in den vergangenen zehn Jahren konnten die Ermittler in der Hälfte der Fälle keinen Tatverdächtigen identifizieren, berichtet BBC. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Übergriffe liegt wohl noch deutlich höher.

Sexuelle Kommentare und Grapscher

"Ich fühlte mich definitiv gefangen", schildert etwa die 18-jährige Rhiannon gegenüber BBC die Erfahrung, als sie in einem Zug in Wales von einer Gruppe betrunkener Männer sexuell belästigt wurde. "Es ist eine Situation, in der man sich ziemlich in die Enge getrieben fühlt. Man sitzt im Zug, kann nirgendwo hin."

Die Londonerin Camille Brown schildert dem "Mirror" ein Erlebnis in der Londoner U-Bahn, als sie noch minderjährig war: "Ich erinnere mich noch heute genau daran, wie ich an der Baker Street aus der Circle Line aussteigen wollte und ein Mann mich drängte, den Tag mit ihm zu verbringen, anstatt zur Schule zu gehen. Ich hatte panische Angst und dachte immer wieder: 'Aber ich trage doch eine Schuluniform?' Leider schützt mich selbst das nicht vor Einschüchterung, Belästigung oder gar Übergriffen."

Ein Waggon mit der Aufschrift "Nur für Frauen" in der U-Bahn von Tokio.
REUTERS

Und sie fügte hinzu: "Es kam nicht selten vor, dass Mädchen an meiner Schule in Tränen ausbrachen, weil sie in der U-Bahn etwas Traumatisches erlebt oder miterlebt hatten."

Viele Mädchen und Frauen meiden Öffis

Eine aktuelle Umfrage unter britischen Pfadfinderinnen ergab, dass sich 56 % der Mädchen und Frauen im Alter von 11 bis 21 Jahren alleine in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht sicher fühlen, berichtet der britische "Mirror". 31 % gaben sogar an, öffentliche Verkehrsmittel komplett zu meiden.

Verkehrsbetriebe lehnen Vorschlag ab

Trotz der durch Statistiken und Umfragen untermauerten, erschütternden Erlebnisberichte vieler junger Frauen halten die Londoner Verkehrsbetriebe (TfL) nichts von dem Vorschlag: "Jeder sollte sich bei Fahrten im Streckennetz sicher fühlen und sicher sein, aber die Isolierung von Frauen ist keine Lösung im Kampf gegen Sexualdelikte", erklärte TfL-Direktorin Siwan Hayward gegenüber dem "Mirror".

"Wir unterstützen keinen Vorschlag für reine Frauenwaggons in den TfL-Diensten, sondern arbeiten stattdessen eng mit der Polizei zusammen, um sicherzustellen, dass das Verkehrsnetz unserer Hauptstadt ein feindlicher Ort für Straftäter ist. Dazu gehört auch der Einsatz von nachrichtendienstlich geleiteten Polizeioperationen, um gezielt gegen Straftäter und Hotspots vorzugehen", so Hayward.

Frauenwaggons in vielen Städten längst Praxis

Dabei ist die Idee reiner Frauenwaggons gar nicht so abwegig, wie sie manchen auf den ersten Blick vielleicht erscheint. In Indien, das für seine notorisch überfüllten Züge bekannt ist, gibt es solche Waggons schon seit Jahrzehnten. Zuglinien mit Waggons oder zumindest Abteilen nur für Frauen gibt es auch in Indonesien, in den U-Bahnen von Dubai (Vereinigte Arabische Emirate), Kairo (Ägypten), Teheran (Iran), Rio de Janeiro (Brasilien), Busan (Südkorea), Bangkok (Thailand) und in Manila (Philippinen).

Vorreiter Japan

Das erste Land, das reine Frauenwaggons eingeführt hat, war übrigens Japan. Dort gab es schon in den 1910er- und 1920er-Jahren "Mutter-Kind-Abteile", die zwischendurch abgeschafft, aber bereits in den 1970er-Jahren wieder eingeführt wurden.

Frauen stellen sich am Haltepunkt des Frauenwaggons der Keio-Linie der U-Bahn von Tokio an
Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Im Jahr 2000 wurde das Konzept auch von der Tokioter U-Bahn als dezidierte Maßnahme gegen sexuelle Belästigung eingeführt – nach einer Kampagne japanischer Feministinnen – und seither auf vielen anderen Linien in Japan übernommen.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 23.10.2025, 13:52, 23.10.2025, 13:41
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