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Pharmalobbyistin wird Chefin der Medizinmarktaufsicht

Eine Pharmalobbyistin übernimmt die Medizinmarktaufsicht der AGES. Kritik an der Entscheidung kommt von der Opposition und Anti-Korruptionskämpfern. 

Tobias Kurakin
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Symbolbild: Die AGES-Medizinmarktaufsicht spielt unter anderem eine zentrale Rolle bei der Zulassung von Medikamenten.
Symbolbild: Die AGES-Medizinmarktaufsicht spielt unter anderem eine zentrale Rolle bei der Zulassung von Medikamenten.
Science Photo Library / picturedesk.com

Einmal mehr sorgt eine Postenbesetzung in Österreich für großen Unmut. Die bisherige Pharmalobbyistin Helga Tieben von Pharmig soll demnach neue Chefin der Medizinmarktaufsicht in der AGES werden. Kritik kommt nun von fast allen Seiten. Die derzeitige Chefin Christa Wirthumer-Hoche geht nämlich mit Sommer in Pension. 

Für Zulassung von Medikamenten zuständig 

Die Medizinmarktaufsicht bei der AGES ist ein hochsensibler Bereich. Hier sind die rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich für Arzneimittelzulassungen, klinische Prüfungen und Überwachung der Arzneimittelsicherheit. Dass nun ausgerechnet Tieben, die bisher Direktorin für Zulassungsbereich und Innovation im Verband der pharmazeutischen Industrie Pharmig war, den Job bekommen soll, erzürnt die Gemüter. 

Die Gesundheitsexpertin von Transparency Österreich Claudia Wild nennt die geplante Besetzung "unglaublich". Sie sagt dem Ö1-Morgenjournal am Samstag, dass hier eindeutig ein Interessenskonflikt vorliege und Österreich sich wieder einmal über geltendes EU-Recht hinweg setzen würde. Das Interesse der Pharma-Lobby, der Tieben bisher angehört, sei, dass Medikamente schnell zugelassen werden würden, die AGES müsste hingegen einen kritischeren Blick einnehmen, meinte Wild.

Eine BASG-Mitarbeiterin sagt im Gespräch mit der "Heute": "Eine Chef-Pharmalobbyistin als AGES-Chefin, das ist doch schon ein starkes Stück“. Auch Martin Kreutner, der Initiator des Anti-Korruptionsvolksbegehren geht mit der Bestellung hart ins Gericht. Für ihn ist die Bestellung Tiebens vergleichbar mit einer Beförderung von jemandem aus der Tabakindustrie in eine Aufsichtsbehörde – "das geht so eigentlich nicht.“

SPÖ: "Mückstein mit politischem Patzer"

Kritik kommt auch von der Opposition. SPÖ-Vize-Klubobmann Jörg Leichtfried meint demnach, dass die Besetzung "Wasser für die Mühlen von Verschwörungstheoretikern" sei. Der für die Besetzung zuständige Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein hätte sich damit einen "politischen Patzer" geleistet. 

Der Grünen-Politiker und die AGES weisen die Vorwürfe und die Kritik entschieden zurück. Die Bestellung wäre durch einen Auswahlprozess erfolgt, der auch ein Hearing vor einer Kommission beinhaltete. Tieben hätte in diesem Prozess als Expertin überzeugt und die Stelle aufgrund ihrer Qualifikationen bekommen. 

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