Seit über 150 Jahren ist es ein Rätsel, warum der Urin des menschlichen Körpers gelb ist. Doch eine neue Studie soll jetzt die Antwort auf die Frage bringen. Forscher der University of Maryland und des National Institute of Health in den USA haben nach eigenen Angaben nun das Schlüsselenzym identifiziert, das dem Urin seine Farbe verleiht.
Das Enzym Bilirubin-Reduktase soll für den gelben Farbton des Urins verantwortlich sein. Es steht in Verbindung mit roten Blutkörperchen, die einen biologischen Prozess in Gang setzen. Wenn rote Blutkörperchen nach ihrer sechsmonatigen Lebensdauer abgebaut werden, entsteht als Nebenprodukt ein leuchtend orangefarbenes Pigment namens Bilirubin. Bilirubin sickert in Folge in den Darm, wo es für die Ausscheidung bestimmt ist, kann aber auch teilweise wieder resorbiert werden. Im Darm angekommen, können die dort ansässigen Mikroorganismen Bilirubin in andere Moleküle umwandeln. Bilirubin-Reduktase wandelt das Bilirubin in ein farbloses Nebenprodukt namens Urobilinogen um, das wiederum zu einem Molekül namens Urobilin abgebaut wird, das für die gelbe Farbe verantwortlich ist, die wir alle kennen.
Urin besteht aus einer Mischung aus Wasser, Elektrolyten und Abfallstoffen, die von den Nieren herausgefiltert werden. Je nachdem, ob genug getrunken wird oder eine Erkrankung vorliegt, kann er eine andere Farbe aufweisen.
Ideal ist ein blasses Gelb, aber prinzipiell sind alle Urinfarben von Weiß bis Gelb gesund. Dunklere Gelbtöne sind zwar relativ unbedenklich, weisen aber oft auf eine leichte Dehydration hin. Geht die Farbe Richtung Orange, sollte man zunächst mehr trinken und schauen, ob die Farbe sich verändert. Bleibt sie unverändert, sollte man einen Arzt aufsuchen, da Erkrankung vorliegen könnte. Ist der Urin pink/rot, ist in jedem Fall ein Arzt aufzusuchen.
Das Forscherteam fand außerdem heraus, dass Bilirubin-Reduktase bei fast allen gesunden Erwachsenen vorhanden ist, bei Neugeborenen und Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen jedoch häufig fehlt. Sie stellen die Hypothese auf, dass das Fehlen der Bilirubin-Reduktase zur Gelbsucht bei Säuglingen und zur Bildung von pigmentierten Gallensteinen beitragen könnte. "Jetzt, da wir dieses Enzym identifiziert haben, können wir untersuchen, wie die Bakterien in unserem Darm den zirkulierenden Bilirubinspiegel und damit zusammenhängende Gesundheitszustände wie Gelbsucht beeinflussen", sagte Xiaofang Jiang, Mitautor der Studie und Forscher an dem National Institute of Health.
Die Entdeckung, warum der Urin gelb ist, wird als "bemerkenswerter" Durchbruch gefeiert. Denn die Ausscheidung spielt bei der Diagnose einer Vielzahl von Krankheiten und Störungen im menschlichen Körper eine entscheidende Rolle. Neben Gelbsucht und entzündlichen Darmerkrankungen wird das Darmmikrobiom mit verschiedenen Krankheiten und Beschwerden in Verbindung gebracht, von Allergien bis hin zu Arthritis. Die neue Erkenntnis bringt die Forscher dem Verständnis der Rolle des Darmmikrobioms für die menschliche Gesundheit einen Schritt näher.