Nach Streit mit Israel

Plötzlich still: Kroatien mit Protest beim ESC in Wien

Keine Feuerfontänen, keine schrillen Gags, kein Party-Exzess. Und trotzdem zählt Kroatien plötzlich zu den eindrucksvollsten Momenten des ESC.
Heute Entertainment
16.05.2026, 22:25
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Manchmal reicht beim ESC ein einziger Moment, um die komplette Stimmung in der Halle zu verändern. Genau das passiert bei LELEK. Kaum beginnen die ersten Töne von "Andromeda", wird es in der Wiener Stadthalle plötzlich still. Wo zuvor noch gefeiert, getanzt und geschrien wurde, hören die Menschen plötzlich aufmerksam zu.

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Die fünf Kroatinnen setzen nicht auf klassische ESC-Tricks. Keine hektische Choreografie, keine Dauer-Pyro und kein Klamauk. Stattdessen dominieren düstere Ethno-Klänge, intensive Blicke und eine fast schon rituelle Atmosphäre. Der Auftritt wirkt wie ein musikalischer Protest.

Kroatien schafft genau das, was beim Eurovision Song Contest oft besonders gut funktioniert: kulturelle Identität modern zu inszenieren. "Andromeda" verbindet folkloristische Elemente mit schweren Beats und emotionaler Wucht. Der Song spricht offen über Krieg, Schmerz, Verrat und generationale Traumata. Themen, die beim ESC regelmäßig starke Reaktionen auslösen.

Besonders intensiv wirkt dabei die Inszenierung. Die Kamera bleibt immer wieder ganz nah an den Gesichtern der Sängerinnen, wodurch jede Emotion verstärkt wird. Die Halle reagiert zunächst fast ehrfürchtig, bevor nach dem letzten Ton lauter Jubel ausbricht.

Israel machte sich über Kroatinnen lustig

Doch rund um LELEK gab es im Vorfeld auch ordentlich Drama. Der israelische Rundfunk KAN veröffentlichte auf Instagram einen Ausschnitt des kroatischen Auftritts, versehen mit einem spöttischen Kommentar auf Hebräisch. Laut Kritikern spielte dieser auf die Tattoos im Gesicht und an den Händen der Sängerinnen an.

Im Netz folgte sofort heftige Kritik. Viele User warfen dem Sender Respektlosigkeit gegenüber der kulturellen Botschaft des Songs vor. Auch LELEK selbst meldeten sich zu Wort und zeigten sich enttäuscht. Besonders sensibel: Laut der Band behandelt ihr Beitrag die Erfahrungen und das Leid unterdrückter katholischer Frauen. Umso verletzender sei es gewesen, daraus einen Witz zu machen.

Der Druck wurde offenbar schnell zu groß. KAN löschte das Posting kurze Zeit später wieder und veröffentlichte schließlich eine offizielle Entschuldigung auf X. Darin betonte der Rundfunk, man habe weder die kroatische Delegation noch die Öffentlichkeit beleidigen wollen. Die Entschuldigung sei laut KAN auch direkt an die kroatische ESC-Delegation weitergegeben worden.

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