Wegen E-Bike-Trend

Plus 69 Prozent! Immer mehr Radunfälle in Österreich 

Im Vorjahr starben in Österreich 41 Radler, 17 davon am E-Bike. Der ÖAMTC spricht von einem Höhepunkt der negativen Entwicklung.

Wien Heute
Plus 69 Prozent! Immer mehr Radunfälle in Österreich
Der Verkauf von E-Rädern nimmt immer weiter zu - die Zahl der Unfälle auch.
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41 tote Radfahrer im Jahr 2023 in Österreich – das sei der Höhepunkt einer negativen Entwicklung, so der ÖAMTC (Automobilclub Österreich) in seiner Aussendung am Donnerstag, 22. Februar. Von den 41 toten Radfahrern kamen 17 am E-Bike ums Leben. In den Jahren seit 2013 ist die Zahl der Fahrradunfälle mit Personenschaden um 69 Prozent gestiegen. 2013 waren es in Österreich 6.375 Unfälle mit Personenschaden und im Jahr 2022 waren es 10.745. (Quelle: Statistik Austria).

Ein wichtiger Faktor in der Statistik sind E-Bikes. Während die Verkaufszahlen bei den E-Bikes um 470 Prozent zulegten, ging der Verkauf "konventioneller" Räder zurück. Das bedeutete auch eine höhere Anzahl von (E-)Radlern auf Österreichs Straßen und Wegen. Das erhöhte Unfallaufkommen sei damit aber nicht zu erklären, so der ÖAMTC.

Rasanter Anstieg an Alleinunfällen um 149 Prozent

"Auffällig ist laut Analyse der ÖAMTC-Unfallforschung der Anstieg bei Alleinunfällen um 149 Prozent, während die Zahl der Kollisionsunfälle im gleichen Zeitraum um 34 Prozent, jene der Kreuzungsunfälle um 25 Prozent stieg", so der ÖAMTC am Donnerstag. Schnelligkeit übrigens sei nicht der Hauptgrund für die tödlichen Unfälle.

Es weisen 77 Prozent aller Fahrrad-Unfälle keinen Zusammemhang zur höchstzulässigen Geschwindigkeit auf. "Symptombehandlungen wie pauschale Temporeduktionen sind daher für die Erhöhung der Radverkehrssicherheit wenig zielführend", so die Einschätzung des ÖAMTC-Experten. Die Analyse der Unfallursachen in den vergangenen zehn Jahren habe eher andere Problemfelder gezeigt: So hat sich die Unfallursache "Alkohol, Drogen oder Medikamente" um 255 Prozent überdurchschnittlich erhöht und die "Missachtung von Geboten und Verboten" um 197 Prozent.

Fast jeder zweite Unfall ohne Fremdbeteiligung

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil der Alleinunfälle von 30 auf 44 Prozent erhöht – fast jeder zweite Fahrradunfall ist somit ein Unfall ohne Fremdbeteiligung. Ein Drittel der tödlich verunglückten Radfahrenden starb bei Alleinunfällen. "Um die Radverkehrssicherheit zu verbessern, sind zielgerichtete Maßnahmen auf Basis einer evidenzbasierten Ursachenforschung notwendig. Und diese zeigt, dass die Hauptprobleme geringe Regeltreue und mangelndes Fahrkönnen sind. Bei letzterem spielt auch die stark zunehmende Zahl an E-Bikes eine wesentliche Rolle", erklärt ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé.

"Die Zahlen sind unter anderem Folge von zu geringer Fahrpraxis, erhöhter Risikobereitschaft und Ablenkung. Aber auch technische Probleme am Fahrrad, übersehen werden durch Kfz-Lenker:innen sowie mangelhafte Infrastruktur sind negative Einflussfaktoren", bilanziert der ÖAMTC-Experte. Der Mobilitätsclub fordert darum Maßnahmen für Fahrkönnen, Überwachung und Bewusstseinsbildung.

ÖAMTC fordert für Erhöhung der Radverkehrssicherheit dringend Maßnahmen

▶Fahrkönnen (Kurse, insbesondere E-Bike-Kurse; außerdem passende und technisch einwandfreie Fahrzeuge)

▶Überwachung (verstärkte Kontrollen der Exekutive bezüglich Regeltreue, Alkohol/Drogen, technische Ausstattung und Ablenkung)

▶Bewusstseinsbildung (vor allem im Hinblick auf Regeltreue und Helmtragemoral)

Auf den Punkt gebracht

  • Die Anzahl der Fahrradunfälle mit Personenschaden in Österreich ist seit 2013 um 69 Prozent gestiegen
  • Im Jahr 2022 starben 41 Radfahrer, von denen 17 auf E-Bikes unterwegs waren
  • Der Anstieg wird vor allem auf Probleme wie geringe Regeltreue, mangelndes Fahrkönnen und die weit verbreitete Ablenkung zurückgeführt, was den ÖAMTC dazu veranlasst, gezielte Maßnahmen für Fahrkönnen, Überwachung und Bewusstseinsbildung zu fordern
red
Akt.
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