Bei der Klubklausur der burgenländischen SPÖ am 21. und 22. September in Illmitz sollte Ukraine-Experte Markus Reisner als Star-Redner über die Sicherheitslage referieren.
Der Generalstabsoffizier wurde spätestens durch seine viel beachteten Analysen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine weit über Österreich hinaus bekannt. Reisner ist Historiker, diente unter anderem beim Jagdkommando, absolvierte zahlreiche Auslandseinsätze und leitet seit März 2024 das Institut für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt.
Doch aus dem geplanten Austausch wird nun nichts. denn das (VP-)Verteidigungsministerium sagte den Auftritt des Offiziers ab mit der Begründung ab, "interne Vorträge für Parteien" seien tabu. Deshalb müsse man die Teilnahme von Oberst Reisner oder eines anderen Experten absagen.
Für SP-Klubobmann Roland Fürst ist das völlig unverständlich, er ortet viel mehr parteipolitisches Kalkül. "Sicherheit ist gerade für uns im Burgenland ein zentrales Thema – besonders angesichts der aktuellen geo- und sicherheitspolitischen Lage. Wir hätten uns sehr über die Einschätzungen und den Austausch mit diesem ausgewiesenen Experten gefreut."
Von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner ist der Burgenländer folglich bitter enttäuscht: "Es sollte auch im Eigeninteresse des Ressorts liegen, möglichst breit und ohne parteipolitische Scheuklappen zu informieren und die eigene Expertise sichtbar zu machen."
Brisant: Bei ÖVP war ein Vortrag eines Bundesheer-Experten möglich. Bei der Klubklausur der Volkspartei im April 2026 im südburgenländischen Hagensdorf hielt Generalmajor Franz Löschnigg einen Fachvortrag. Auf der ÖVP-Homepage wurde ausdrücklich mit den "spannenden Impulsen" des Heeres-Offiziers geworben.
"Was bei der ÖVP geht, geht bei der SPÖ offenbar noch lange nicht. Die ÖVP ist schon so abgehoben, dass sie nicht mehr mitbekommt, was geht und was nicht", poltert Fürst. Der SPÖ-Klubchef verlangt von ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eine Erklärung, warum ein Vortrag eines hochrangigen Bundesheer-Offiziers bei der ÖVP möglich war, bei der SPÖ aber mit Verweis auf eine parteiinterne Veranstaltung untersagt wird.
"Bei Sicherheit und Verteidigung muss kleinkariertes parteipolitisches Denken hintangestellt werden. Wenn es Regeln für Auftritte bei Klubklausuren gibt, dann müssen sie für alle gleichermaßen gelten", sagt er. Aus dem Büro Tanner wollte man die Causa nicht weiter kommentieren. Es lediglich, dass für Oberst Markus Reisner Vorträge auf allen politischen Klausuren – inklusive der eigenen Partei – abgesagt würden.