Operation "Ancora"

Polizei gelingt riesiger Schlag gegen Schlepper-Mafia

Bei einer Polizeiaktion wurden mehrere Schlepper festgenommen. Die Ermittlungen führen zu einem internationalen Netzwerk entlang der Balkan-Route.
André Wilding
10.03.2026, 14:15
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Ein Polizeieinsatz mit dutzenden Beamten hat in Österreich ein mutmaßliches Schlepper-Netzwerk ins Visier genommen. Im Rahmen der kriminalpolizeilichen Operation "Ancora" wurden sechs Verdächtige festgenommen.

Die Ermittlungen richten sich gegen eine international agierende Organisation der organisierten Schlepperei entlang der Südost-Balkanroute. Federführend ermittelt die Polizeiinspektion Spielfeld Fremden- und Grenzpolizei gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt, mehreren Landeskriminalämtern sowie internationalen Behörden - insbesondere EUROPOL.

Umfangreiche Ermittlungen

Der Ausgangspunkt der Ermittlungen liegt fast ein Jahr zurück. In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 2024 gelang Polizisten an der steirisch-slowenischen Grenze ein Zugriff. Dabei wurde ein rumänischer Staatsbürger festgenommen. Aus den dabei gewonnenen Hinweisen konnten Ermittler weitere mutmaßliche Hintermänner ausforschen.

Am 27. Mai 2025 folgte schließlich eine koordinierte Aktion in Wien. Sechs Personen wurden festgenommen: fünf afghanische Staatsangehörige im Alter zwischen 21 und 54 Jahren sowie ein 33-jähriger russischer Staatsbürger. Rund 60 Einsatzkräfte waren beteiligt. Unterstützt wurden die Ermittlungen unter anderem vom Landeskriminalamt Wien, der Spezialeinheit EKO Cobra, der WEGA sowie Diensthundeführern.

Zahlreiche Beweismittel sichergestellt

Bei Hausdurchsuchungen stellten die Beamten zahlreiche Beweismittel sicher. Darunter befanden sich größere Bargeldbeträge, Goldschmuck und hochwertige Wertgegenstände. Außerdem wurden mehrere elektronische Datenträger sowie Unterlagen zu mutmaßlichen internationalen Geldtransaktionen sichergestellt. Ein besonderer Fokus der Ermittlungen liegt derzeit auf möglichen Geldflüssen über das sogenannte Hawala-System.

Nach bisherigem Stand sollen die Beschuldigten seit 2024 Schleppungen entlang der Balkanroute organisiert haben. Die Route führte laut Ermittlungen von der Türkei über Bulgarien, Griechenland, Serbien, Rumänien und Ungarn bis nach Österreich und teilweise weiter nach Deutschland.

Innenminister Gerhard Karner
Denise Auer

Für eine Schleppung sollen Migranten zwischen 10.000 und 20.000 Euro bezahlt haben. Nach aktuellen Schätzungen könnte das Netzwerk Einnahmen von rund einer Milliarde Euro erzielt haben.

Syrischer Clan "Al-Sarawi"

Die mutmaßliche Organisation soll hierarchisch aufgebaut gewesen sein. Laut Ermittlungen gab es fünf miteinander vernetzte Organisationseinheiten, die jedoch weitgehend eigenständig agierten. Jede Einheit soll aus zwei Führungspersonen, einem Verantwortlichen für Finanzen und mehreren Fahrern bestanden haben. Die Fahrer sollen über soziale Medien angeworben worden sein.

Übergeordnet soll ein syrischer Clan namens "Al-Sarawi" gestanden haben, der laut Ermittlern Finanzströme, Gebiete und Informationen koordinierte.

Im Zuge der Ermittlungen wurden bisher rund 150 Vernehmungen durchgeführt. Außerdem werten Ermittler mehrere Terabyte an Daten aus Mobiltelefonen und Computern aus. Die Analyse dauert wegen der großen Datenmenge noch an.

1.000 Schlepperfahrzeuge identifiziert

Bislang konnten mehr als 1.000 mutmaßlich eingesetzte Schlepperfahrzeuge identifiziert werden. Nach derzeitigen Einschätzungen könnten mehrere hunderttausend Migranten über die Südost-Balkanroute transportiert worden sein.

Im Zusammenhang mit dem Verfahren wurden bisher 20 europäische Haftbefehle vollstreckt. Über die festgenommenen Verdächtigen wurde Untersuchungshaft verhängt. Als Haftgründe gelten insbesondere Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Einige Beschuldigte zeigten sich teilweise geständig.

"Es geht um den Schutz der Bevölkerung"

"Der Kampf gegen die illegale Migration ist eine der zentralen Aufgaben der Sicherheitsbehörden. Es geht um den Schutz der Bevölkerung und auch den Schutz der geschleppten Menschen. Daher muss es unser gemeinsamer Ansatz sein, der brutalen und menschenverachtenden Schlepper-Mafia die Geschäftsgrundlage zu entziehen", so Innenminister Gerhard Karner, der auch allen an dieser Erfolgsamtshandlung beteiligten Kolleginnen und Kollegen für die hochprofessionelle Arbeit dankt.

Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

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