Neue Informationen im Fall um einen damals 28-jährigen Tschetschenen, der 2019 von Beamten der Wiener Polizei schwer verprügelt worden sein soll: Wie Innenminister Karl Nehammer und Integrationsministerin Susanne Raab (beide ÖVP) am Freitag bei einer Pressekonferenz bekanntgaben, tauchte das Opfer kurz nach dem Vorfall unter. Der Mann dürfte längere Zeit im Ausland verbracht haben. Möglicher Hintergrund: Er wurde, als er die Misshandlungsvorwürfe zur Anzeige brachte, der Verleumdung bezichtigt und sah sich selbst mit einem Strafverfahren konfrontiert.
Erst vor rund einem Monat wandte sich das Opfer erneut an die Behörden, diesmal mit einem Beweis-Video aus einer Überwachungskamera, das seine Sicht untermauerte. Wie berichtet, zeigt der Clip die acht nun vorläufig suspendierten Polizisten, wie sie den 28-Jährigen umringen.
Aus einem bislang unbekannten Grund eskaliert die Situation, mindestens zwei der Beamten schlagen und treten auf den Mann ein. Dieser wehrt sich nicht, sackt schließlich in einer Ecke zusammen und hält sich das Gesicht.
Nehammer bezeichnete das Verhalten der Beamten als "inakzeptabel", betonte aber auch, man dürfe vom mutmaßlichen Fehlverhalten weniger nicht auf sämtliche Polizisten schließen: "Der Großteil der Polizistinnen und Polizisten leistet einen herausragenden Dienst. Wenn es zu Fehlverhalten kommt, gilt es hin- und nicht wegzuschauen, es aufzuklären, Fehler für die Zukunft zu vermeiden und damit die diensthabenden Polizisten zu schützen." Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen die Beamten.
Besonders auch für weibliche Polizistinnen sei die Situation schwierig, "eine Polizistin hat mir gesagt, das ist nicht leicht, wenn man in Favoriten unterwegs sind und dann kommen 50 junge Männer mit türkischem Migrationshintergrund um die Ecke." Es sei dennoch wichtig, auch in Zukunft vermehrt weibliche Beamtinnen einzusetzen, da diese vor allem auch bei Amtshandlungen mit häuslicher Gewalt oft eine deeskalierende Wirkung hätten.
Nehammer und Raab waren auf die Polizeiinspektion Favoritenstraße gekommen, um sich nach den Angriffen türkischer Rechtsradikaler auf kurdische Demonstranten ein Bild von der Kriminalität im Bezirk zu machen. "Es ist in Favoriten für die Polizisten eine schwierige Situation", bilanzierte die Integrationsministerin im Anschluss. Der Anteil an ausländischen Staatsbürgern sei im Bezirk besonders groß, das führe bei Amtshandlungen zu Problemen mit der Sprache.