Dringend und extrem wichtig liest sich eine Sonderpresseaussendung der Polizei am Freitag. Darin heißt es in großer, fettgedruckter Schrift: "Aktuelle Anruf-Betrugswelle! Warnmitteilung an die Bevölkerung!" Konkret warnt die Polizei dann vor einer Betrugsmasche, die ganz Österreich seit Monaten im Griff hat und die nun aktuell verstärkt im Bezirk Lienz auftritt.
"Es kommt aktuell zu Betrugsanrufen im Bezirk Lienz. Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten oder Kriminalbeamte aus und versuchen Bargeld und Wertsachen herauszulocken. Schützen Sie sich und warnen Sie Ihre Angehörigen", so die Landespolizeidirektion Tirol. "Heute" erklärt dir, was es mit der Masche auf sich hat und wie du dich schützt.
Telefonbetrüger geben sich bei Anrufen an Haushalte in ganz Österreich als Polizeibeamte oder Justizbeamte aus, um vor allem ältere Menschen zu verunsichern und ihnen große Geldsummen, Schmuck und Wertsachen abzunehmen. Polizei und Staatsanwaltschaft warnen eindringlich vor der perfiden Masche, die seit Monaten wieder vermehrt Opfer findet.
Die Betrüger rufen meist unvermittelt an. Am anderen Ende der Leitung meldet sich jemand, der sich als "Kommissar" oder "Kriminalbeamter" vorstellt und behauptet, ein naher Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht oder sitze in Untersuchungshaft. In dramatischen Worten warnen sie vor angeblichen Konsequenzen – und fordern sofortige Kautionen oder Sicherheiten in Form von Geld, Schmuck oder Bankdaten.
In einem dokumentierten Fall schilderte eine 75‑jährige Frau, wie sie am Abend ein solches Telefonat erhielt: Der angebliche Polizist berichtete von einem tödlichen Unfall mit verletztem Baby und behauptete, ihr Sohn sei der Verursacher und nun inhaftiert. Unter dem mentalen Druck dieses Schocks zahlte sie eine hohe Summe – bevor sie den Betrug erkannte.
Die Dimension des Problems ist erheblich: Seit Anfang 2022 entstanden laut Ermittlern Schäden in Österreich in Höhe von rund 23 Millionen Euro durch diese Anrufe. Die Wirtschafts‑ und Korruptionsstaatsanwaltschaft widmet sich inzwischen den hinterhältigen Betrügerbanden. Ein internationaler Zusammenhang wird ebenfalls deutlich: Eine koordinierte Aktion europäischer Behörden entlarvte kriminelle Netzwerke, die Betrugs‑Telefonnummern und technische Infrastruktur bereitstellen – mit Tausenden Opfern in Österreich und Millionenverlusten in mehreren Staaten.
Auch in einzelnen Bundesländern häufen sich die Meldungen. In Tirol verlor eine 77‑jährige Frau einen fünfstelligen Betrag, nachdem sie falschen Beamten am Telefon glaubte und Bargeld an einen vermeintlichen "Gerichtsdiener" übergab. Bereits Monate zuvor warnte die Polizei in Vorarlberg vor ähnlichen Schockanrufen, bei denen Betrüger gezielt hohe Geldsummen forderten und versuchen, sich persönliche finanzielle Informationen zu verschaffen.
Telefonbetrug durch falsche Polizisten ist kein neues Phänomen, doch die Täter haben ihre Methoden verfeinert: Sie nutzen psychologischen Druck, emotionale Geschichten und zeitliche Dringlichkeit, um Zweifel bei den Angerufenen zu unterdrücken. Oft wurden Opfer über soziale Netzwerke oder Verzeichnisse ausgespäht und mit persönlichen Daten angesprochen, was die Glaubwürdigkeit der Anrufer erhöht.
Die Betrüger agieren häufig europaweit und über professionelle Callcenter‑Strukturen, was die Ermittlungen erschwert. Geräte wie SIM‑Boxen und Tausende anonyme Rufnummern dienen dazu, ihre Spuren zu verschleiern.