Polizeichef wählt Notruf, macht Beamten nieder

Der
Der "Notruf" von Landespolizeidirektor-Stv. Mag. Alexander Gaisch auf Band.
Dass der Beamte seinen Vorgesetzten nicht sofort erkannte, erzürnte den stellvertretenden Polizei-Chef Alexander Gaisch so sehr, dass er ihm am Telefon ein Disziplinarverfahren androhte.
Ein bizarrer Mitschnitt aus der Polizeinotrufzentrale Graz sorgt seit dem heutigen Mittwoch für Aufsehen in Österreich. Die Audio-Datei, die dem "Falter" zugespielt wurde und deren Echtheit inzwischen bestätigt wurde, zeichnet ein skurriles Bild des Verhältnisses eines hochrangigen Polizisten und zu einem ihm unterstellten, aber persönlich unbekannten Beamten.

Die Protagonisten: Alexander Gaisch (52), seines Zeichens der stellvertretende Landespolizeidirektor der Steiermark und Thomas P., der das zweifelhafte Glück hatte, just in diesem Moment Dienst in der Notrufzentrale zu haben.

"I werd ihnen einmal die Wadeln virerichten!"


CommentCreated with Sketch.131 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Gaisch hatte an diesem Tag höchstpersönlich den Notruf gewählt. Doch was sein eigentliches Anliegen war, erfuhr der diensthabende Beamte erst Minuten später. Denn, dass Thomas P. seinen Vorgesetzten nicht sofort an dessen Namen erkannte, brachte Gaisch in Rage.

Minutenlang redete der Polizeichef am Telefon auf den Unwissenden ein. "I werd ihnen einmal die Wadeln virerichten", keifte Gaisch in den Hörer und befahl Thomas P. am folgenden Montag direkt um 8 Uhr zum Rapport bei ihm im Büro zu erscheinen. "Da werden S' mir die Führungskräfte namentlich alle aufzählen, auswendig! Und wenn Sie es ned können, dann werden wir ein Disiziplinarverfahren einleiten."

Während all dessen bewies sein Gegenüber eine Engelsgeduld. Wissend, dass alle Gespräche aufgezeichnet werden, wurde Thomas P. nie ausfällig und quittierte Kommentare seines aufgebrachten Vorgesetzten meist mit einem stoischen "Ja, bitte".



Der Lebenslauf von Landespolizeidirektor-Stv. Mag. Alexander Gaisch auf der Website der LPD Steiermark

Fritz Grundnig, Sprecher der Landespolizeidirektion Steiermark, erklärte, gegenüber dem "Falter", dass der Fall intern aufgearbeitet worden sei und "für beide Seiten keine Konsequenzen" habe. Stattdessen soll nun ermittelt werden, wie das Tonband an die Öffentlichkeit gelangen konnte.

Doch warum hatte Gaisch überhaupt den Notruf gewählt? Erst nachdem er den kleinen Beamten zurechtgestutzt hatte, folgte die recht banale Auflösung: Jemand hatte nahe eines Seniorenheims ein Feuerwerk gezündet. Eine Streife sollte eruieren ob dafür eine Genehmigung erteilt war.

Update, 12.25 Uhr: Das Fehlverhalten Gaischs bleibt wohl doch nicht ohne Konsequenzen und wird jetzt sogar zum Politikum. Gaisch übe nicht mehr seine Funktion als Vizepolizeichef aus, so der Sprecher des Innenministeriums Alexander Marakovits. Er sei vorübergehend zum Bundesamt für Fremdenwesen versetzt und eine dienstrechliche Prüfung des gesamten Sachverhalts eingeleitet worden.

Das gesamte Telefonprotokoll zum Nachlesen:



Polizeinotruf:Polizeinotruf.

Gaisch: Ja, Alex Gaisch. Guten Abend. Servus, Grüß Dich! Hallo?

Polizeinotruf: Ja, hallo bitte?

Gaisch: Ja Alexander Gaisch, kennst Du mi jetzt oder kennst mi ned?

Polizeinotruf: Na, i kenn Sie ned. Bitte worum geht's?

Gaisch: Landespolizeidirektor Stellvertreter! Wie ist der Name bitte?

Polizeinotruf: Bitte?

Gaisch: Wer spricht bitte?

Polizeinotruf: I brauch ihnen mein Namen ned geben beim Notruf.

Gaisch: Da spricht Landespolizeidirektor-Stellvertreter und Sie gemma jetzt ihren Namen, aber sofort. Und am Montag sans um … achte in mein Büro, verstanden?

Polizeinotruf: Bitte?

Gaisch: Wo ist da Kommandant, geben S' ma den Kommandant!

Polizeinotruf: Wer san Sie bitte? Sagens S' ma den Namen bitte noch einmal bitte!

Gaisch: Alexander Gaisch, Landespolizeidirektor Stellvertreter!

Polizeinotruf: Der Landespolizeidirektor Stellvertreter heißt doch Komericky, soweit ich weiß, oder?

Gaisch: Ja, das ist einer davon. Und am Montag sind Sie um acht in mein Büro, ham S' mi verstanden?!

Polizeinotruf: Ja , bitte. Na worum geht's denn jetzt? Sagen S' ma amoi was brauchen Sie?

Gaisch: Sie sogen mir jetzt amoi Ihren Namen, haben Sie mich verstanden?!

Polizeinotruf: Thomas P.

Gaisch: Thomas P.! I wünsch ihnen am Montag alles Gute! Wenn Sie den stellvertretenden Landespolizeidirektor ned kennen, dann werd i ihnen am Montag einmal die Wadeln virerichten. Sagen S' amoi geht's noch?

Polizeinotruf: Ja, bitte was brauchen S' jetzt?

Gaisch: Wie lange machen Sie Dienst? Seit wann machen Sie Dienst jetzt?

Polizeinotruf: Seit März.

Gaisch: Seit März! Aha und was hamma jetzt? Na woarten S' nur, Herr Thomas P. ich werd Ihnen am Montag amoi sagen, was los ist. Sie kommen am Montag um acht Uhr kommen Sie zu mir ins Büro. Ist das klar? Ham S' mi verstanden?

Polizeinotruf: Ja, ok. Bitte sagen S' mir jetzt was Sie brauchen!

Gaisch: Ok, und jetzt sag ihnen was i brauch: I brauch die Streife von Hausmannsstätten.

Polizeinotruf: Ok?!

Gaisch: Ja?! Sans jetzt wach, schön langsam?!

Polizeinotruf: Ja, bitte. Was brauchen Sie von der Streife von Hausmannsstätten?

Gaisch: Jetzt hamma fünf Minuten bereits telefoniert! Na, des is ja, .. i maan, na ist ja wirklich a Witz... Sie sagen der Streife von Hausmannsstätten in der Hauptstraße ungefähr in der Höhe vom Seniorenheim hat ein Feuerwerk stattgefunden. Mittlerweile ist es vorbei. Aber sie sollen sich erkunden, wo das Feuerwerk war, ob es angemeldet war. Ok?

Polizeinotruf: Ja!

Gaisch: Ja! Und nächste Woche werden wir auswendig lernen. Da werden S' mir die Führungskräfte namentlich alle aufzählen, auswendig! Und wenn Sie es ned können, dann werden wir ein Disiziplinarverfahren einleiten. Haben S' mi verstanden?

Polizeinotruf: Jawoll!

Gaisch: Montag um acht Uhr in meinem Büro, Herr Thomas P.. Auf Wiederhören!

Polizeinotruf: Wiederhören!

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