Archäologen feiern eine außergewöhnliche Entdeckung in der römischen Ruinenstadt Pompeji. Beim verheerenden Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus kamen innerhalb eines Tages zahlreiche Bewohner durch Asche, Hitze und einstürzende Gebäude ums Leben.
Nun gelang es Forschern, eines der Opfer anhand eines antiken Medizinkoffers zu identifizieren, den der Mann offenbar im Moment seines Todes festhielt.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen sogenannten 'Medicus', also einen römischen Arzt, handelte, berichtet der Archäologische Park Pompeji.
Der Koffer wurde bei den Überresten von 13 Menschen gefunden, die in einem Weinberg Schutz gesucht hatten. Der Ort wurde später als "Garten der Flüchtenden" bekannt. "Das Etui lag im Gips des menschlichen Abgusses verborgen", erzählt der leitende Archäologe Gabriel Zuchtriegel in einem Video auf Instagram. Die Entdeckung gelang mithilfe moderner Diagnosetechnologie, darunter KI-gestützte CT-Scans und 3D-Rekonstruktionen.
Darin befand sich eine Stofftasche mit Bronze- und Silbermünzen, ein Kästchen aus organischem Material und mehrere medizinische Instrumente. Röntgen- und Tomografieuntersuchungen zeigten im Inneren des Behälters zudem eine Schieferplatte, die vermutlich zur Herstellung medizinischer oder kosmetischer Substanzen diente. Zuchtriegel vermutet: "Dieser Mann nahm seine Werkzeuge mit, um andernorts ein neues Leben beginnen zu können – vielleicht aber auch, um anderen zu helfen."
Durch die vulkanische Asche wurden die Körper der Opfer konserviert. Im 19. Jahrhundert begann der italienische Archäologe Giuseppe Fiorelli damit, die Hohlräume der verwesten Körper mit Gips auszugießen. So entstanden die berühmten Abgüsse, die bis heute einen Einblick in die letzten Momente der Pompejaner geben.
Die neuen Erkenntnisse eröffnen laut Zuchtriegel weitere Möglichkeiten zur Erforschung antiker Überreste. Der Fund zeigt zudem, dass Pompeji noch immer voller bisher unentdeckter Geschichten steckt.