Mitten in einer Baugrube in Wels wurden am Dienstag menschliche Knochen entdeckt. Der Fund im Stadtteil Vogelweide sorgte direkt für Aufregung – aber nicht wegen eines möglichen Verbrechens aus der Gegenwart. Rasch zeigte sich: Die Überreste dürften Hunderte Jahre alt sein.
Gefunden wurden die Knochen in der Abbruchkante eines Grundstücks, auf dem eine neue Wohnanlage entstehen soll. "Aus den Aufzeichnungen wissen wir, dass dort früher ein Galgenhügel stand", sagt Archäologe Heinz Gruber vom Bundesdenkmalamt der "Krone".
2023 seien dort schon einmal acht menschliche Überreste entdeckt worden. "Wir schätzen, dass die Funde aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammen", so Gruber. "Die Verurteilten wurden dort hingerichtet, ihre Leichen nicht bestattet, sondern einfach verscharrt."
Insgesamt sollen diesmal mindestens zwei Skelette freigelegt worden sein. Schon in rund einer Woche sollen Archäologen das Gelände genauer unter die Lupe nehmen. Eine zentrale Frage dabei: Wie alt sind die Knochen genau? Dafür könnte eine Altersbestimmung mittels C14-Radiokarbonmethode durchgeführt werden.
Neben dem Alter der Überreste interessiert die Experten auch die Geschichte dahinter: "Es wäre interessant festzustellen, wer damals die Gerichtsbarkeit hatte", wird Stadtarchäologin Michaela Greisinger im Bericht zitiert. Akten über die Toten könne es möglicherweise noch im Stift Lambach (Bez. Wels-Land) geben.