Streit um Gutachten

"Tut total weh" – für PVA aber nur "leichte Schmerzen"

Eine AK-Studie sorgt für Aufregung: Viele Patienten fühlen sich bei PVA-Gutachten missverstanden - ein Fall zeigt, wie drastisch.
Oberösterreich Heute
10.04.2026, 04:00
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"Es tut total weh" - doch im Gutachten steht am Ende nur: "leichte Schmerzen". Genau das schildert ein Betroffener aus Oberösterreich. Der Mann leidet an einer schweren körperlichen Erkrankung, dazu kamen psychische Probleme. Bei der Begutachtung durch die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) fühlte er sich nicht ernst genommen.

Seine Kritik ist deutlich: Trotz vorgelegter Befunde von Fachärzten habe die Gutachterin seine Beschwerden heruntergespielt. "Sie hat abgetastet und diktiert, gibt leichte Schmerzen an. Und ich habe gesagt, es tut total weh", erzählt er. Sein Eindruck: Die Begutachtung sei von Anfang an in eine bestimmte Richtung gelenkt worden - nämlich jene, die seine mitgebrachten Gutachten abschwächt.

Ein Einzelfall? Laut einer aktuellen Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich eher nicht. Demnach bringen fast alle Antragsteller vorhandene Befunde mit – doch diese werden oft kaum berücksichtigt. Bei Anträgen auf Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension wurden Unterlagen nur in 8 Prozent der Fälle vollständig einbezogen, in 42 Prozent gar nicht.

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Auch beim Pflegegeld sieht es nicht viel besser aus: Zwar werden Befunde öfter berücksichtigt, doch in fast jedem dritten Fall spielen sie überhaupt keine Rolle.

Dazu kommt: Viele Betroffene verstehen gar nicht, wie die Entscheidungen zustande kommen. Nur ein Fünftel der Antragsteller für Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension gibt an, die Kriterien seien klar gewesen. Entsprechend schlecht fällt auch die Bewertung der Diagnosen aus.

AK-Präsident Andreas Stangl fordert deshalb rasche Änderungen: mehr Transparenz, bessere Qualität der Gutachten und vor allem einen respektvolleren Umgang mit den Betroffenen. "Den Ankündigungen müssen nun Taten folgen", so Stangl.

PVA widerspricht vehement

Die Pensionsversicherungsanstalt widerspricht der Kritik gegenüber "Heute" und betont: Ein respektvoller und wertschätzender Umgang sei Grundvoraussetzung jeder Begutachtung. Gutachter würden unparteiisch und unabhängig arbeiten, auf Basis von Befunden, Untersuchung und Gespräch ein objektives Gutachten erstellen. Kommunikation und Vertrauen seien zentrale Faktoren, dafür gebe es laufende Aus- und Weiterbildungen.

Zudem verweist die PVA auf strenge Qualitätsstandards: Gutachter müssen zertifiziert sein und sich regelmäßig fortbilden. Mit Maßnahmen wie Vier-Augen-Prinzip, Peer-Reviews und zusätzlicher Qualitätskontrolle werde die Qualität gesichert. Die Kritik nehme man ernst, die Studie sei jedoch nicht repräsentativ. Interne Befragungen würden eine deutlich höhere Zufriedenheit zeigen - vor allem dann, wenn Leistungen bewilligt werden.

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