Nach 17 Jahren plötzlich weniger Geld: Ein schwer kranker Oberösterreicher bekam von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) überraschend weniger Pflegegeld. Erst eine Klage der Arbeiterkammer brachte die Wende – und sogar eine deutliche Erhöhung.
Der heute 58-Jährige ist seit seiner Geburt durch Sauerstoffmangel körperlich und geistig eingeschränkt. Er lebt in einer betreuten Einrichtung und erhielt jahrelang Pflegegeld der Stufe 3. Dann der Einschnitt: Die PVA stufte ihn zurück – auf 2.
Die Schwester des Mannes, seine Erwachsenenvertreterin, wandte sich an die AK. Diese zog gegen den Bescheid vor Gericht. Ziel: zumindest die Rückkehr zur ursprünglichen Einstufung. Doch das Verfahren nahm eine überraschende Wendung.
Ein gerichtlich bestellter Sachverständiger stellte einen deutlich höheren Pflegebedarf fest – über 180 Stunden pro Monat. Das Ergebnis: Statt weniger Geld bekam der Mann nun Pflegegeld der Stufe 5 zugesprochen.
AK-Präsident Andreas Stangl ist zu hinterfragen, ob die Begutachtung immer in der erforderlichen Qualität durchgeführt werde. "Insbesondere bei einer zum Teil sehr deutlichen abweichenden Einschätzung des Pflegebedarfs."
Es ist nicht das erste Mal, dass die AK heftige Kritik an den Expertisen der PVA übt: Erst zuletzt sorgte eine Studie der Kammer für Wirbel. Darin beklagten Betroffene unter anderem mangelnden Respekt, zu wenig Transparenz und großen psychischen Druck durch Gutachter der Versicherung.
Die PVA wies die Kritik gegenüber "Heute" aber entschieden zurück. Man lege großen Wert auf "einen respektvollen und wertschätzenden Umgang" mit Versicherten. Gutachter würden "unparteiisch, unabhängig und frei von persönlichen Meinungen" arbeiten und auf Basis von Befunden, Untersuchungen und Gesprächen objektive Entscheidungen treffen.
Die von der AK präsentierten Studienergebnisse seien zudem "in keinster Weise repräsentativ für die gesamte österreichische Bevölkerung bzw. alle Antragstellenden in Oberösterreich" – tatsächlich lag die Ablehnungsquote beim Pflegegeld in OÖ 2025 bei nur rund zehn Prozent. "Das indiziert sehr stark, dass vermehrt Personen befragt wurden, die eine negative Erfahrung gemacht haben", so das Statement.