In einer Höhle im Südwesten Sibiriens haben Forscher einen Backenzahn eines Neandertalers entdeckt, der die bisherigen Annahmen über die kognitiven Fähigkeiten der Urmenschen auf den Kopf stellt.
Der rund 59.000 Jahre alte Zahn weist ein tiefes Loch auf, das offenbar nicht natürlich entstanden ist. Spuren deuten darauf hin, dass ein Neandertaler gezielt gebohrt hat, um eine Karies zu behandeln.
Wie Spektrum.de unter Berufung auf eine in "PLOS ONE" veröffentlichte Studie berichtet, führte ein Team der Russian Academy of Science in Sankt Petersburg die Analyse durch. Die ungewöhnliche Form der Vertiefung und sichtbare Kratzer weckten das Interesse der Wissenschaftler.
Die Forscher kombinierten mehrere Untersuchungsmethoden wie Mikroskopie und Computertomografie. Dabei zeigten sich Hinweise auf Kariesreste und Spuren einer rotierend-bohrenden Bearbeitung mit einem Steinwerkzeug.
Mit spitzen, kleinen Steinwerkzeugen, wie sie auch in der Höhle gefunden wurden, konnten die Forscher den medizinischen Eingriff nachstellen. Der prähistorische Zahnarzt hatte offenbar gewusst, was er tat.
"Die Behandlung eines kariösen Zahns erfordert die Diagnose der Ursache, die Auswahl eines geeigneten Instruments und das Durchhalten seitens des Patienten trotz der Beschwerden", erklärt Studienleiterin Ksenya Kolobova.
Die Prozedur dürfte zwar schmerzhaft gewesen sein, linderte aber letztlich die Zahnentzündung. Für die Forscher ist klar: Neandertaler verstanden den Zusammenhang zwischen der Schmerzursache und der Wirkung ihrer Behandlung.