Es ist eine jener Entdeckungen, die zeigen: Manchmal liegen die größten Schätze direkt vor unserer Nase. Ein Fossil, das seit rund 150 Jahren im Londoner Natural History Museum lagerte, hat sich als wissenschaftliche Sensation entpuppt.
Das Relikt erwies sich als völlig neue Art der Quastenflosser - jener urtümlichen Fische, die als lebende Fossilien gelten. Noch dazu ist es das erste Exemplar aus der frühen Kreidezeit überhaupt.
Wie scinexx.de berichtet, tauften die Forscher die neue Art Macropoma gombessae. Damit schließt das Fossil eine mehr als 50 Millionen Jahre lange Lücke im Stammbaum dieser ikonischen Urzeitfische.
Das Fossil wurde bereits 1885 vom Museum angekauft. Es stammt aus einer Gesteinsformation nahe Folkestone an der südenglischen Küste. Doch um welchen Fisch es sich handelte, blieb über ein Jahrhundert lang unerkannt.
"Es ist unglaublich, dass ein so wichtiges Fossil mehr als ein Jahrhundert lang vor aller Augen lag", sagt Studienleiter Jack Norton von der University of Portsmouth.
Erst moderne Röntgentomografie machte die kleinsten Details des Fossils sichtbar. Die Analysen datierten das Tier auf 100 bis 113 Millionen Jahre - mitten in die frühe Kreidezeit.
Die neue Art unterscheidet sich von anderen Quastenflossern durch ungewöhnlich große Sinnes-Poren unter den Augen und am Kiefer. Diese dienten der Wahrnehmung von Wasserbewegungen.
Während diese Poren bei heutigen Quastenflossern kaum noch erkennbar sind, waren sie bei Macropoma gombessae noch sehr ausgeprägt. Das deutet darauf hin, dass sich diese Tiere stark auf mechanische Reize aus ihrer Umwelt verließen.