Ein uraltes Fossil sorgt für Aufregung in der Wissenschaft: Das rund zehn Zentimeter lange Wesen namens Megachelicerax cousteaui lebte vor 500 Millionen Jahren in den Urzeit-Meeren und ist der älteste bekannte Vertreter der sogenannten Kieferklauenträger. Zu dieser Tiergruppe gehören heute Spinnen, Skorpione, Milben und Pfeilschwanzkrebse.
Das Besondere an dem Fund: Das Fossil lag jahrzehntelang unbeachtet in einer Museumssammlung der Harvard Universität, bevor es nun erstmals genauer untersucht wurde.
Wie scinexx.de berichtet, präparierten die Forscher Rudy Lerosey-Aubril und Javier Ortega-Hernandez von der Harvard University das Fossil frei und machten eine überraschende Entdeckung: Das Urzeit-Tier trug statt der erwarteten Antennen eine Klaue als ersten Kopfanhang - die älteste jemals gefundene Kieferklaue.
"Bei kambrischen Arthropoden findet man niemals eine Klaue an dieser Position", erklärt Lerosey-Aubril. "Ich brauchte ein paar Minuten, bis ich auf die offensichtliche Erklärung kam: Ich hatte gerade die älteste jemals gefundene Chelicere freigelegt."
Die paarigen Kieferklauen des Fossils sind wie bei heutigen Spinnen dreigliedrig mit einer großen, beweglichen Schere am Ende. Sie dienen Spinnen und Skorpionen heute als Greifer beim Beutefang und bei Spinnen auch zum Injizieren von Gift.
Die Entdeckung verschiebt die Entstehung der typischen Merkmale dieser Tiergruppe um mindestens 20 Millionen Jahre in die Vergangenheit. "Es zeigt, dass sich der anatomische Bauplan von Spinnen und Pfeilschwanzkrebsen schon vor rund 500 Millionen Jahren entwickelt hat", sagt Lerosey-Aubril.
Die Studie wurde im Fachjournal Nature veröffentlicht und zeigt: Die ersten Formen dieser Tiergruppe entstanden bereits während der sogenannten kambrischen Explosion - einer Phase, in der die Vielfalt des Lebens auf der Erde drastisch zunahm.