Neben seiner geringen Körpergröße zeichnen den Mini-Dino lange und eher schwache Vorderarme sowie viele kleine Zähne aus, wie ein Team um den Paläontologen Peter Makovicky von der University of Minnesota soeben im Fachmagazin „Nature“ berichtet. Das fast vollständig erhaltene Skelett könnte die Evolutionsgeschichte seiner ganzen Verwandtschaft auf den Kopf stellen. Makovicky bezeichnet gegenüber ORF Wissen den Fund als „den merkwürdigsten Dinosaurier, von dem Sie je gehört haben“ – ein kleiner, rätselhafter Theropode mit ungewöhnlicher Anatomie.
Der "Alnashetri cerropoliciensis" lebte vor rund 95 Millionen Jahren im heutigen Patagonien. Mit weniger als einem Kilogramm Gewicht zählt er zu den kleinsten bekannten Nichtvogeldinosauriern Südamerikas. Er gehört zur Gattung der Alvarezsaurier. Die meisten von ihnen hatten sehr kurze, aber kräftige Arme – wahrscheinlich, um Insekten aus dem Boden zu holen.
Obwohl auch der jetzt gefundene Alnashetri zu dieser Gruppe gehört, hat er im Vergleich zu anderen Vertretern lange, weniger spezialisierte Vorderarme. Zudem besitzt er viele kleine Zähne, die bei verwandten Arten aber noch kleiner und weniger ausgeprägt waren.
Die Fossilien stammen aus der Fundstelle La Buitrera in der Provinz Río Negro im Westen Argentiniens. Das 2014 entdeckte Skelett gilt als das bisher am besten erhaltene südamerikanische Exemplar der Alvarezsaurier – und enthält erstmals auch einen Schädel. Es ermögliche, die Anatomie argentinischer Alvarezsaurier mit anderen Funden zu vergleichen und ihre Evolution neu zu deuten, wie Peter Makovicky betont.
Der neue Fund legt nahe, dass Alvarezsaurier vermutlich auf fast allen Kontinenten verbreitet waren – nicht nur in Asien und Südamerika, wo es bisher Funde gab. Sie waren wahrscheinlich weltweit verbreitet, doch ihre Fossilien sind selten.
Anders als bisher angenommen, entwickelten sich die Alvarezsaurier über die Evolution hinweg offenbar flexibel. Je nach Art und Lebensumständen wurden manche Linien kleiner, andere größer und wiesen auch unterschiedliche Merkmale auf. „Sie waren keine speziell miniaturisierten Insektenfresser, sondern passten ihre Größe über die Zeit an“, erklärt Makovicky. Er und sein Team untersuchen bereits weitere Fossilien, die helfen sollen, die Entwicklung der Alvarezsaurier noch besser zu verstehen.