Der Tyrannosaurus Rex war zu seiner Zeit ein echtes Ungetüm: Mit seinen scharfen Zähnen, einer Länge von bis zu 13 Metern und einem Gewicht von acht Tonnen hatte er keine natürlichen Feinde. Er war klar der Chef in der Nahrungskette während der Kreidezeit. Bisher glaubte die Wissenschaft, dass diese Dinosaurier etwa 25 Jahre benötigten, um ausgewachsen zu sein.
Jetzt zeigt aber eine neue Studie im Fachjournal "PeerJ", dass der Wachstumsprozess vom T. Rex wohl viel länger gedauert hat. Das Forschungsteam um die Paläontologin Holly Woodward Ballard von der Universität Oklahoma erzählt stolz: "Wir haben herausgefunden, dass der Tyrannosaurus Rex etwa 40 bis 45 Jahre benötigt hat, um seine ausgewachsene Größe zu erreichen. Also etwa 15 Jahre länger als bisher angenommen."
Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben die Forscher fossile Beinknochen von insgesamt 17 T. Rex-Exemplaren genau unter die Lupe genommen. Diese Knochen stammten von ganz jungen Tieren bis zu ausgewachsenen Riesen. Mit modernen Lichttechniken konnten sie das erhaltene Knochengewebe durchleuchten und waren dabei auf der Suche nach Merkmalen, die man sonst eher von Bäumen kennt.
"Um das Alter eines Dinosauriers zu bestimmen und zu untersuchen, wie schnell er gewachsen ist, betrachtet man die Wachstumsringe im Knochengewebe", erklärt Woodward Ballard. Obwohl viele dieser Knochen schon früher untersucht wurden, entdeckte das Team jetzt bisher unbekannte Wachstumsringe. Das lässt darauf schließen, dass ein T. Rex tatsächlich viel länger als 25 Jahre gebraucht hat, um erwachsen zu werden.
Die Analyse zeigte außerdem, dass das Wachstum der Raubtiere sehr unterschiedlich war. Manche Ringe lagen eng beieinander, zwischen anderen gab es größere Abstände. "Beim T. Rex verlief das Wachstum sehr unregelmäßig. Die Schwankungen bei den Wachstumsringen deuten darauf hin, dass der Dinosaurier in einem Jahr, in dem es wenig zu fressen gegeben hat, möglicherweise nicht besonders viel gewachsen ist. In anderen Jahren, mit genügend Nahrung, konnte er dann jedoch entsprechend stark zulegen", so die Paläontologin.
Das zeigt, wie anpassungsfähig diese Tiere waren. Vielleicht war genau das ein Grund, warum sie an die Spitze der Nahrungskette gekommen sind.
Die neuen Erkenntnisse geben aber nicht nur Einblicke ins Leben des T. Rex, sondern werfen auch neue Fragen auf. Es ist nämlich nicht ganz sicher, ob alle bisher als T. Rex-Knochen eingestuften Fossilien tatsächlich zu diesen Riesenreptilien gehören. Einige der untersuchten Knochen zeigten Merkmale, die statistisch einfach nicht zu den anderen passten. Woodward Ballard schließt nicht aus, dass diese Knochen vielleicht zu einer anderen, bisher unbekannten Dinosaurierart gehören könnten. Dafür braucht es aber noch weitere Untersuchungen.