Immer mehr Fälle, immer mehr schwere Verläufe: Laut einer neuen Langzeitstudie des Zentrums für Virologie der MedUni Wien nimmt das West-Nil-Virus in Österreich deutlich zu. Übertragen wird es durch heimische Stechmücken – 2024 wurden bereits 37 Erkrankungen dokumentiert.
Fast die Hälfte davon verlief schwer: 19 Patientinnen und Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Studienleiterin Judith Aberle von der MedUni Wien schlägt Alarm: "Der deutliche Anstieg der Erkrankungsfälle zeigt, dass das West-Nil-Virus mittlerweile fest in Österreich etabliert ist."
Erstmals ist das Nordburgenland die am stärksten betroffene Region im ganzen Land. Dort wurde auch erstmals eine Virusvariante nachgewiesen, die bisher vor allem aus Süd- und Südosteuropa bekannt war.
"Dass wir neue regionale Schwerpunkte beobachten, unterstreicht die Notwendigkeit, auch in bisher weniger betroffenen Gebieten wachsam zu sein", so Aberle. Besonders in den Sommermonaten sollte bei Meningitis- oder Enzephalitis-Fällen auch ohne Auslandsreise an das Virus gedacht werden.
Die Dunkelziffer dürfte laut der Studie hoch sein: Nur rund jeder Fünfte mit West-Nil-Infektion zeigt Symptome, schwere neurologische Verläufe treten nur bei wenigen auf. Viele Infektionen bleiben daher unbemerkt.
Einen wirksamen Impfstoff gibt es derzeit nicht. Umso wichtiger sei laut den Forschern eine kontinuierliche Überwachung – nur so könne man neue Risikogebiete frühzeitig erkennen und reagieren.