Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Europa weiter aus – und macht den Behörden die Bekämpfung zunehmend schwer. Wie eine europaweite Studie zeigt, entwickeln die Tiere nämlich Resistenzen gegen wirksame Pyrethroid-Insektizide.
"Mit der weltweiten Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) steigt die Zahl autochthoner (nicht eingeschleppter) Fälle exotischer Arbovirus-Erkrankungen wie Denguefieber oder Chikungunya in gemäßigten Klimazonen", schrieben Verena Pichler von der Sapienza Universität in Rom und ihre Co-Autoren, unter ihnen Jeremy Bouyer vom Labor für Insektenschädlingsbekämpfung der FAO und der IAEO in Wien.
Neben Dengue und Chikungunya würden auch Gelbfieber- und West-Nil-Fieber-Erreger durch Stiche weiter verbreitet, beim Zika-Virus werde das ebenfalls diskutiert.
Auch in Österreich ist die Art längst angekommen: Bereits 2022 wurde ihr Vorkommen in 23 Bezirken registriert, 2024 waren es schon 29. Besonders betroffen dürfte der Großraum Graz sein – und auch in Wien und Linz sowie in den jeweiligen Regionen überwintern die Insekten, was laut Bericht die Etablierung einer Population belegt.
Wie rasch sich das Problem in Europa auswirken kann, zeigen Beispiele aus Italien: Dort wurden bereits 2007 und 2017 zwei Chikungunya-Ausbrüche mit rund 700 Erkrankten gemeldet. Auch das Dengue-Virus breitet sich im Mittelmeerraum weiter aus – offenbar durch Aedes albopictus als Überträger: Im Jahr 2024 seien in Italien, Frankreich und Spanien mehr als 300 lokal erworbene Fälle verzeichnet worden.
Bekämpft wird die Tigermücke vor allem, indem Brutstätten entfernt und Larven bekämpft werden. Um die Anzahl der erwachsenen Stechmücken zu senken, kommen bei Bedarf Insektizide zum Einsatz. Die Wissenschafter betonen dabei: "In Europa sind Pyrethroide die einzigen zur Bekämpfung adulter Stechmücken zugelassenen Insektizide und daher entscheidend für die Eindämmung der Arbovirus-Übertragung."
Pyrethroide sind synthetische Substanzen, die ursprünglich aus Inhaltsstoffen von Chrysanthemen abgeleitet wurden und auch als Repellentien verwendet werden. Als Insektizid wirken sie, indem sie das Nervensystem der Insekten blockieren – die Tiere sterben ab. Doch aus dem Fernen Osten seien schon länger Resistenzen bekannt. Diese entstehen durch Mutationen, die die Wirkung der Insektizide an Natriumkanälen der Zellen blockieren. Als Beispiele werden Knockdown-Resistenz-Mutationen (kdr) wie I1532T und F1534C genannt.
Für die neue Untersuchung wurden Tigermücken aus einem breiten europäischen Raum geprüft. Dafür sammelte man laut Studie "Feldproben von Eiern, Larven und adulten Exemplaren von Aedes albopictus zwischen August 2015 und Oktober 2022 in 54 Gemeinden in 19 europäischen Ländern und Regionen.
Das Ergebnis: Insgesamt seien Pyrethroid-resistente Tigermücken in Europa "noch" relativ selten – doch es gibt deutliche Problemzonen. Die Wissenschafter berichteten: "Das kdr-Merkmal 1534C wurde an neun Standorten in sechs Ländern (Albanien, Zypern, Georgien, Griechenland, Rumänien und Spanien) mit Häufigkeiten zwischen 1,5 Prozent und 84 Prozent gefunden."
Besonders häufig seien problematische Mutationen in Zypern und Griechenland aufgetreten: In Limassol wurde laut Bericht kein nicht mutiertes Genmaterial mehr gefunden. Für Griechenland heißt es: "In Griechenland wurde die 1534C-Mutation an drei von vier Probestellen mit Häufigkeiten von zehn Prozent (Kavala), 12,5 Prozent (Chania) und 45 Prozent (Athen) nachgewiesen."
Auch das zweite gesuchte Resistenzmerkmal tauchte in Europa auf. Die Autoren schreiben: "Insgesamt trugen 26 Proben von elf Standorten in sieben Ländern (Albanien, Frankreich, Griechenland, Italien, Rumänien, Spanien und Türkei) das Merkmal 1532T". An zwei Standorten – Athen und Durres – wurden sogar beide Mutationen (F1534C und I1532T) nachgewiesen. Zusätzlich gab es Fälle, in denen das Resistenzgen 1016G festgestellt wurde.
Die Forscher warnen, dass sich das Problem zuspitzen könnte: "Obwohl die Ausbreitung der Pyrethroid-Resistenz unsere Fähigkeit bedroht, die Übertragung exotischer Arboviren durch Aedes albopictus schnell und effektiv zu unterbrechen, ist über das Ausmaß dieses Problems in Europa wenig bekannt", fassen sie zusammen. Im Durchschnitt seien die untersuchten Knockdown-Mutationen zwar noch selten (rund fünf Prozent), doch Hotspots gebe es bereits.