Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela sorgt Donald Trump mit neuen Aussagen erneut für Unruhe rund um Grönland. Der US-Präsident bekräftigte am Sonntag an Bord der Air Force One, die USA "brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein". Damit befeuerte Trump erneut Spekulationen über eine mögliche Übernahme der Insel.
"Wir werden uns in rund zwei Monaten um Grönland kümmern", sagte Trump und legte nach: "Lassen sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen".
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte am Wochenende scharf. Washington solle seine "Drohungen gegen einen historischen Verbündeten" einstellen. "Ich muss dies den USA sehr klar sagen: Es ist absolut absurd zu sagen, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über Grönland übernehmen sollten", erklärte sie. Frederiksen verwies zudem darauf, dass Dänemark "und damit auch Grönland" NATO-Mitglied sei und damit unter den Sicherheitsgarantien des Bündnisses stehe.
Auch in einem Telefoninterview mit dem US-Magazin "The Atlantic" wurde Trump am Wochenende auf die Verbindung zwischen dem Militäreinsatz in Venezuela und Grönland angesprochen. "Das werden sie sich selbst ansehen müssen. Ich weiß es wirklich nicht", sagte Trump. Gleichzeitig erneuerte er seinen Anspruch: "Aber wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung."
Zusätzliche Empörung löste ein Posting aus dem Umfeld des Weißen Hauses aus. Katie Miller, Ehefrau von Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller, veröffentlichte am Samstag auf X ein Bild einer Grönland-Karte in den Farben der US-Flagge. Darüber stand in Großbuchstaben "Bald".
Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen kritisierte den Beitrag als "respektlos". "Die Beziehungen zwischen Nationen und ihren Bevölkerungen basieren auf gegenseitigem Respekt und internationalem Recht - nicht auf symbolischen Gesten, die unseren Status und unsere Rechte missachten", erklärte Nielsen. Zugleich versuchte er zu beruhigen: Es gebe weder Grund zur Panik noch zur Sorge. "Unser Land steht nicht zum Verkauf, und unsere Zukunft wird nicht durch Beiträge in sozialen Medien entschieden."
Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit einer Übernahme Grönlands gedroht und dabei auch Gewalt nicht ausgeschlossen. Zuletzt sorgte er mit der Ernennung eines Sondergesandten für Grönland auf der Insel selbst, in Kopenhagen und in der EU für Empörung.
Am Samstag hatten US-Elitesoldaten den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores bei einem Blitzeinsatz in Venezuela gefangengenommen. Maduro wurde in New York inhaftiert und soll dort wegen "Verschwörung zum Drogenterrorismus" vor Gericht gestellt werden.
Trump begründet seinen Vorstoß Richtung Grönland mit Sicherheitsinteressen und verweist auf eine angebliche Präsenz Moskaus und Pekings rund um die geostrategisch wichtige Insel. Grönland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend autonom.
Die größte Insel der Welt liegt im Nordatlantik und im Arktischen Ozean zwischen Nordamerika und Europa. Zudem befindet sie sich auf direkter Strecke einer möglichen Raketenflugbahn zwischen Russland und den USA.
In Grönlands Boden lagern wertvolle Rohstoffe, die bisher kaum genutzt werden. Durch neu entstehende Seewege infolge des Klimawandels ist das strategische Interesse an der Arktis zuletzt deutlich gewachsen – sowohl bei den USA als auch bei China und Russland.