Die Alpenwälder stecken in der Klemme: Trotz höherer Temperaturen und früherem Vegetationsbeginn wachsen viele Bäume heute langsamer als noch vor zehn Jahren. Eine neue Studie aus der Schweiz zeigt, wie sehr Hitze und Trockenheit den Wald ausbremsen.
Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL haben festgestellt, dass das Stammwachstum bei Eichen, Föhren, Fichten, Buchen und Weißtannen seit 2012 stagniert oder sogar zurückgeht. Und das, obwohl die Wachstumsphase durch die Erderwärmung heute oft schon zwei bis drei Wochen früher beginnt als Anfang der 2000er-Jahre.
Doch das Problem liegt im Detail: Entscheidend ist nicht, wann das Wachstum startet, sondern wie viele Tage im Jahr ein Baum tatsächlich zulegen kann - und das hängt am Wasser. Ist es zu heiß und trocken, stellen Bäume ihr Wachstum ein. Je nach Art bleiben nur 40 bis 110 echte Wachstumstage pro Jahr.
"Am Ende entscheiden einzelne Tage - ja sogar Stunden -, ob ein Baum wächst oder nicht", sagt Studienautor Arun Bose. Fallen diese wegen Dürre aus, bleibt der Wald zurück - mit Folgen fürs Klima. Denn weniger Zuwachs bedeutet auch weniger CO2-Speicherung.
Auch die Forstwirtschaft spürt den Klimadruck: Wenn die Sommer heißer und trockener werden, schrumpfen nicht nur die Bäume, sondern auch die Erntemengen. Fakt ist: Was nach früherem Frühling aussieht, ist in Wahrheit ein schleichender Rückschritt - und Bambi bleibt der Schattenwald bald verwehrt.