Polarwirbel ist instabil

"Arktische Verstärkung" – Eisige Kälte bleibt in Europa

Eisige Jänner-Temperaturen sind nichts Neues - doch seit einigen Jahren mischt der globale Klimawandel kräftig mit, warnen Experten.
Bernd Watzka
08.01.2026, 06:15
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Wir erleben derzeit einen Winter wie früher - mit tödlichen Folgen: In den Niederlanden herrscht Ausnahmezustand, in Frankreich starben bereits mehrere Menschen. Hunderte Flüge wurden in vielen Teilen Europas gestrichen, teils herrschen minus 20 Grad. Auch in Österreich sorgen eisige Temperaturen zumindest bis Mitte Jänner für frostige Stimmung.

Kalte Luft direkt vom Nordpol

Laut Meteorologe Nikolas Csekits vom heimischen Wetterdienst GeoSphere Austria stammt die derzeitige Kaltluft direkt vom Nordpol. Der dortige Polarwirbel sei derzeit instabil, auch der Jetstream schlage stark nach Süden aus. Beide Phänomene bringen arktische Luftmassen direkt nach Mitteleuropa, so der Wetterexperte.

Klimakrise "mitverantwortlich"

Doch wer denkt, der Klimawandel sei durch die klirrende Kälte widerlegt, irrt. "Er ist sogar mitverantwortlich", so Csekits. "Früher war der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und unseren Breiten größer - das stabilisierte den Polarwirbel." Heute sei diese Temperaturdifferenz als Folge der Klimakrise geringer. "Der Polarwirbel bekommt dadurch Ausbuchtungen und wird instabil."

"Obwohl es kontraintuitiv erscheinen mag", könne extreme Kälte in bestimmten Regionen "tatsächlich eine Folge des Klimawandels" sein. "Die globale Erwärmung führt nicht einfach nur zu gleichmäßig höheren Temperaturen, sondern zu einer Zunahme von extremen Wetterereignissen und einer Störung etablierter Wettermuster", so Csekits.

Arktis erwärmt sich dreifach so schnell

Klimaforscher sprechen von "arktischer Verstärkung": Die Arktis erwärmt sich doppelt bis dreifach so schnell wie der globale Durchschnitt. Das schwächt den Jetstream, der normalerweise kalte Luft am Pol hält. In Folge kann sie nach Süden entweichen - mit eisigen Folgen.

Trotzdem werden Winter im langjährigen Schnitt wärmer: Laut GeoSphere Austria hat sich die Zahl der sogenannten Eistage - also Tage mit maximal 0 Grad - in Wien von 24 auf 18 pro Jahr verringert. Auch andernorts ist ein Rückgang um bis zu 40 Prozent zu beobachten.

Kältewelle "passt" zur Klimakrise

Extreme Kältewellen, so paradox es klingt, passen also sehr wohl zum Bild der Klimakrise. Denn diese bringt nicht nur Hitze, sondern auch mehr Wetterextreme - inklusive Schneemassen, wenn die feuchtere Luft auf Frost trifft.

Die eisige Kälte zeigt: Der Klimawandel lässt nicht einfach alles wärmer werden - sondern bringt in erster Linie das Wetter weltweit durcheinander.

Auswirkungen der Klimakrise in Österreich

Seit 1880 ist die Durchschnittstemperatur in Österreich um etwa 2 Grad gestiegen - mehr als doppelt so viel wie im weltweiten Schnitt. Besonders in Städten wie Wien spürst du das durch immer häufigere Tropennächte und Hitzewellen. Aber auch die Winter werden durch den Klimawandel durcheinandergewirbelt - und Kältephasen können länger andauern als gewöhnlich.

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