Zivilcourage oder Exzess? Fest steht, dass am 30. August in der Wiener U-Bahnstation Westbahnhof die Fäuste flogen – und jetzt kam es zum Prozess. Eine 30-Jährige klagt an, dass sie auf der Rolltreppe im Vorbeigehen von einem Fremden begrapscht wurde.
"Als ich an ihm vorbeiging, sagte er einen Anmachspruch zu mir. Plötzlich hat er mir stark auf den Po geschlagen", erzählt die Tänzerin laut "Kronen Zeitung" vor Gericht. Es setzte eine "Reflex-Watschn" ihrerseits, der Angreifer quittierte das mit einem Faustschlag in den Bauch des Opfers.
"Ich schlage nicht mal meine eigene Frau und auch keine Fremden", sagt wiederum der Rumäne, dreifach wegen Gewaltdelikten vorbestraft. "Vielleicht habe ich irrtümlich Arme und Beine bewegt und bin am Gesäß angekommen."
Die 30-Jährige machte auf den Übergriff jedenfalls lautstark aufmerksam. Aus mehreren Richtungen kamen daraufhin andere Männer "zur Rettung" vor dem Betrunkenen angelaufen. Was dann passierte, endete mit mehreren Verletzten und wird von der Richterin als "unangemessene Gewaltausübung" bezeichnet.
Einer der übercouragierten Zeugen schlug so fest zu, dass er sich die Strecksehne riss, operiert werden musste und sieben Wochen im Krankenstand war. Dem Grapscher wiederum wurden angeblich mehrere Zähne ausgeschlagen, beim Prozess trat er laut "Krone" ans Richterpult und präsentierte sein löchriges Gebiss ("Ich bin zwar keine Zahnärztin, aber gut").
Die Männer, die den betrunkenen Rumänen anhielten, kamen glimpflich davon, das Verfahren wurde eingestellt. Er selbst wurde wiederum wegen sexueller Belästigung und Körperverletzung zu sieben Monaten teilbedingter Haft verurteilt, zudem wurde eine bedingte Strafe widerrufen. Das Urteil dürfte noch nicht rechtskräftig sein, es gilt die Unschuldsvermutung.