Endlose Wälder und kühlende Sommerluft im kroatischen Istrien: Hier verbrachte Thomas P. (65, Name von der Redaktion geändert) einen Teil seines monatelangen Krankenstands. Er freute sich, als die ÖGK seinen Ortswechsel mitten im Krankenstand genehmigte, erzählt er im "Heute"-Gespräch.
Thomas P. ist selbst Burnout-Opfer, bezeichnet die Erkrankung als Überlastungsdepression. Er war im Krankenstand auf Kroatien-Reise und sagt heute: "Ich bin mir sicher, ein Ortswechsel tut jedem gut."
Thomas P. arbeitete sein Leben lang in der Technikbranche in der Führungsrolle, hat bei Anlageprojekten in der Energiewirtschaft mitagiert. 2010 bemerkte er erste Symptome eines Burnouts, schleichend, wie er sagt: "Es hat ganz unscheinbar begonnen, mit Verspannungen und Tinnitus. Dann kam Schwindel dazu, dann Panikattacken und zum Schluss ein Kribbeln im ganzen Körper. In der Zeit hatte ich keinen Ausgleich, ich kam nicht zur Ruhe."
Zu den körperlichen Symptomen kam die Appetitlosigkeit, bis der 1,82-Meter-Mann nur mehr 68 Kilogramm auf die Waage brachte, wie er selbst sagt. "Der Stress hat bei mir Magenprobleme ausgelöst. Es war eine schwierige Zeit, auch für mein Umfeld. Meine Frau erzählte mir später, ich war ein ganz anderer Mensch", erinnert sich der Mann, der heute kurz vor der Pension steht.
Drei Monate nach seiner Burnout-Diagnose hat Thomas sich im Burnout-bedingten Krankenstand zu einer Reise nach Kroatien überwunden: mit dem Auto, Frau, Schwager und Freunden, ganz zurückgezogen in den Wäldern Istriens in Kroatien. Dass sein engster Kreis mit ihm nach Kroatien reiste, half ihm sehr.
"Mir war es wichtig, dass ich durch die Auto-Anreise die Möglichkeit hatte, jederzeit wieder nach Hause zu fahren", erzählt der gebürtige Burgenländer, der jetzt in Niederösterreich lebt.
Er ist froh, die Kroatien-Fahrt unternommen zu haben. Ein Sommerurlaub ins Ausland war der Tapetenwechsel trotzdem nicht: "Diese zweiwöchige Reise war kein Urlaub, denn genießen konnte ich das nicht. Aber es hat etwas mit mir gemacht. Es war ein Neustart für mich, der Keim für meine Rückkehr."
Thomas P. beschreibt den Moment, in dem er die ÖGK-Genehmigung für seinen Auslandsaufenthalt in Kroatien erhielt – der Fall liegt schon länger zurück. Er hatte seinen Ortswechsel im Krankenstand 2011 beantragt, gibt er gegenüber "Heute" an: "Ich habe gehofft, dass der Antrag genehmigt wird, aber für mich war das eine 50/50-Chance. Dann war die Genehmigung da, super. Trotzdem hatte ich Selbstzweifel, ob die Reise mir wirklich hilft oder ob sie meinen Zustand vielleicht sogar verschlechtert!"
Der Techniker aus dem Bezirk Bruck / Leitha erzählt, der Ortswechsel wäre genau das Richtige für ihn gewesen. "Diese Veränderung war notwendig für mich. Ich habe negative Erfahrungen daheim gemacht. Dort rauszukommen, war sinnvoll. Ich bin mir sicher, so ein Ortswechsel tut jedem beim Gesundwerden gut!" Nach der Reise schöpfte der Techniker neuen Mut, neues Vertrauen in sich selbst. Schließlich schaffte er es nach Monaten zurück in seinen Job.
Der Techniker freut sich, dass die ÖGK seine Reise bewilligte: "Ich hatte schon ein bisschen Angst, weil die Krankenkasse ja keine Garantie hatte, dass meine Reise einen positiven Ausgang nehmen würde und ich danach wieder arbeiten gehen kann."
Thomas P. rät jetzt auch anderen, im Burnout auf Reisen zu gehen: "Nein, nach Südafrika hätte es mich im Burnout nicht verschlagen, wie bei der anderen Patientin. Aber man soll wirklich nicht verteufeln, wenn jemand im Krankenstand für seine Genesung verreist!"
"Heute" fragte bei der Österreichischen Gesundheitskasse nach, ob Ortswechsel im Krankenstand vor der ÖGK-Genehmigung auf dessen positiv zu erwartende Auswirkung geprüft werden. ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer hält dazu fest: "Wir haben solche Fälle zuletzt intensiv intern diskutiert. Der medizinische Dienst der ÖGK wird ab sofort strengere Kontrollen zu beantragten Auslandsaufenthalten während eines Krankenstands durchführen."
Darüber hinaus hat der Generaldirektor angeordnet, unverzüglich eine Änderung der Krankenordnung der ÖGK auszuarbeiten und diese der Selbstverwaltung zur Beschlussfassung vorzulegen. Für Wurzer ist klar: "Ein Auslandsaufenthalt oder gar ein Urlaub während eines Krankenstands kommen nicht in Frage."