Judo-Europameister Patrick Reiter gilt als der Mann hinter dem Salzburger Fußballverein SK Bischofshofen 1933. Seit Jahrzehnten ist der Klub eine Fixgröße in der drittklassigen Regionalliga West – nach 93 Jahren droht ihm nun das Aus. Wie konnte es so weit kommen?
Auch in der aktuellen Saison kann sich die Leistung des BSK durchaus blicken lassen. In der 17er-Liga liegt der Verein auf Tabellenplatz 6, hat nur sechs Punkte Rückstand auf Platz 2. Die Probleme beschränken sich auf das Konstrukt im Hintergrund. Vergangenen Sommer eskalierte der Streit zwischen Stadt und Reiter letztlich.
Der Ex-Judoka hatte, obwohl er keine offizielle Funktion im Verein bekleidet, alles auf sich zurechtgeschnitten. Vom Vorstand ist er laut "Salzburger Nachrichten" mit einer Generalvollmacht ausgestattet. Im Fokus steht dabei die Polysport GmbH: 62 Prozent daran hält Patrick Reiter, 22 Prozent sein Vater Josef (der auch Obmann des Vereins ist).
Publik gewordene Verträge zeigten, dass bis zu 75 Prozent der Einnahmen des Fußballvereins an die GmbH abfließen können. Weil der Verein auch öffentliche Gelder bezieht, war das juristisch höchst umstritten. Namensrechte und Drittliga-Lizenz liegen ebenfalls bei der GmbH.
Nicht nach Wunsch der Öffentlichkeit läuft auch die Nachwuchsarbeit. Reiter behauptete, dass der Verein 150 Kinder betreue. Das rief einen Ex-Funktionär auf den Plan, der konterte, dass die wahre Zahl um die 70 liege. Auf der Homepage waren laut "Salzburger Nachrichten" tatsächlich nur 74 Spieler gemeldet.
Das älteste Jugendteam war in der damaligen Saison noch punktlos und fuhr 1:20-Niederlagen ein. Eltern beklagten zudem in einem Brief viele Zusatzkosten, etwa Kautionen für Trikots oder selbst zu kaufende Fußbälle. Viele stecken ihre Kinder deshalb in die Vereine kleinerer Nachbarorte.
Als die Stadt dem Verein im Sommer 2025 eine neue Nutzungsvereinbarung zukommen ließ, weigerte sich der Verein, diese zu unterzeichnen. Das Nutzungsrecht wurde entsprechend aufgekündigt, doch der Streit ging weiter. Zwei Monate später übermittelten schließlich sämtliche im Gemeinderat vertretene Parteien dem BSK einen Brief, wonach man Patrick Reiter nicht mehr als Verhandlungspartner akzeptierte.
"Ich hoffe auf die Selbstheilungskräfte innerhalb des BSK. Man kann Vorstände neu wählen und Vollmachten auch zurückziehen", sagte Vizebürgermeister Josef Mairhofer (ÖVP) den SN. Im Gemeinderat hat die SPÖ eine absolute Mehrheit, auch die FPÖ ist vertreten und trug das Ultimatum mit. Gefordert wurde vor allem mehr Engagement im Nachwuchs, für das die Gemeinde immerhin auch Geld zahlt.
All das half nichts. Am Donnerstag kam es schließlich zur Abstimmung im Bischofshofener Gemeinderat darüber, wer künftig die Nutzungsrechte für den Sportplatz der Stadt erhält. Und als klarer Gewinner mit 20 zu 3 Stimmen ging dabei der Skiklub hervor. Dieser zeigte sich von der Eindeutigkeit des Ergebnisses überrascht und muss jetzt erst eine Fußballsektion neu gründen.
Mit Juni muss der BSK1933 also das Gelände räumen, am 1. Juli zieht formal der Skiklub ein. Dieser wird dann mit allen Kräften an einer Kampfmannschaft basteln müssen, die in der Meisterschaft einsteigen kann.
Der Weg würde den neuen Verein aus B'hofen aber wohl in die unterste Spielklasse führen. Denn die Drittliga-Lizenz hält, wie auch die Namensrechte, die GmbH um Patrick Reiter. Diese könnte sich mit dem BSK theoretisch auf einem anderen Fußballplatz einmieten. Die Herbergssuche dürfte auf der verbrannten Erde des Pongaus aber schwierig werden.
Auf Instagram stellt der Verein eine politische Intrige in den Raum. "Wir sind überzeugte Demokraten und stehen für Transparenz, Fairness und Entscheidungen auf Basis von Fakten – für gelebte Realität, Verantwortung und tägliche Arbeit mit Menschen", heißt es in einer Stellungnahme. "Wenn das in Russland oder Nordkorea passiert, verstehe ich das, aber nicht in Mitteleuropa", so Reiter zum ORF. Man werde alle notwendigen Schritte prüfen.