Ärger über Zustelldienste

Post stoppte Briefzustellung – jetzt landen sie im Müll

Eine 80-jährige Frau entdeckt ungeöffnete Briefe aus ihrer Nachbarschaft im Müll. Der Zusteller verliert daraufhin seinen Job.
Nick Wolfinger
11.03.2026, 12:11
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Damit hat die 80-jährige Pensionistin Helle Ammitzbøll aus Odense (Dänemark) nicht gerechnet: Als sie den Müll rausbringt, findet sie 21 ungeöffnete Briefe in der Mülltonne vor ihrem Haus – allesamt adressiert an Menschen aus ihrer Nachbarschaft.

Offenbar hatte der zuständige Zusteller sie nie ausgeliefert. Der Hintergrund: Seit Jahreswechsel stellt die staatliche Post nur noch Pakete, aber keine Briefe mehr zu. Mit den privaten Zustelldiensten haben aber viele so keine rechte Freude.

Sie sollte Briefe liegen lassen

Ammitzbøll rief sofort den verantwortlichen Zustelldienst DAO (Dansk Avis Omdeling) an, um den Fall zu melden. Auf die Frage, was sie nun tun solle, riet man ihr, die 21 Briefe in ein Plastiksackerl zu stecken und vor ihre Haustüre zu legen. Wenn der Zusteller ein paar Tage später das nächste Mal vorbeikommt, würde er sie einfach mitnehmen und neu verteilen.

In den Ohren der Pensionistin klang das wenig vertrauenserweckend. Wer sagt, dass der Zusteller die Briefe nicht ein zweites Mal in die Tonne wirft? Und persönliche Briefe tagelang im Freien liegen zu lassen wirkt ebenfalls verantwortungslos.

Zusteller gefeuert

Also meldete sich Ammitzbøll erneut beim Unternehmen – und bekam den selben Rat: Briefe in ein Sackerl, draußen liegen lassen, "Auf Wiederhören".

Erst danach wurde der Fall intern genauer untersucht. Das Unternehmen zog schließlich die Konsequenzen – der zuständige Zusteller verlor seinen Job. In einer Mitteilung an dänische Medien betonte DAO, dass 97 Prozent der Briefe korrekt zugestellt würden.

Postsystem radikal umgebaut

Der Vorfall sorgt auch deshalb für Diskussionen, weil sich das Postsystem in Dänemark zuletzt massiv verändert hat. Seit Anfang 2026 stellt der staatliche Betreiber PostNord keine Briefe mehr zu und konzentriert sich nur noch auf Pakete. Der letzte Brief wurde Ende Dezember 2025 ausgeliefert. Damit endete eine mehr als 400 Jahre alte Tradition der staatlichen Briefpost.

Mit dem Rückzug der Post verschwanden auch viele bekannte Elemente des alten Systems. Rund 1.500 öffentliche Briefkästen im ganzen Land wurden abgebaut, zahlreiche Poststellen geschlossen.

Private Zusteller übernehmen

Die Briefzustellung übernehmen nun private Anbieter wie das Unternehmen DAO. Kritiker befürchten jedoch, dass darunter die Zuverlässigkeit leiden könnte. Fälle wie der Fund der 80-Jährigen heizen die Kritik an den privaten Zustelldiensten weiter an.

Für die Nachbarn der Pensionistin ging die Geschichte glimpflich aus. Ohne ihren Zufallsfund wären die 21 Briefe womöglich nie bei den Empfängern angekommen.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 11.03.2026, 12:11
Jetzt E-Paper lesen