"Daten zur Prävalenz (Häufigkeit; Anm.) von Prädiabetes mit dem Risiko für die Entwicklung von Diabetes mellitus und von unentdecktem Diabetes sind in Mitteleuropa rar, aus Österreich bisher nicht vorhanden", schreiben Caren Sourij (Universitätsklinik Graz) und Co-Autoren in ihrer Studie, die jetzt in "Obesity Facts" erschienen ist.
Die Forscher haben einerseits die Daten aus den Gesundenuntersuchungen bei über 18-Jährigen aus den Jahren 2017 bis 2023 ausgewertet, andererseits auch Informationen aus einer Beobachtungsstudie bei Menschen mit bereits diagnostizierter oder noch nicht entdeckter Zuckerkrankheit herangezogen. Insgesamt wurden 6,9 Millionen Nüchtern-Blutzuckertests berücksichtigt.
Nachdem fast 36.000 Personen mit bekanntem Typ-1-Diabetes und rund 480.000 Menschen mit diagnostiziertem Typ-2-Diabetes ausgeschlossen wurden, blieben die Daten von 6.412.591 Menschen übrig. Davon waren etwa 3,6 Millionen Frauen.
Die Wissenschafter: "Die Rohprävalenz (Häufigkeit ohne Berücksichtigung der Altersverteilung; Anm.) von Prädiabetes betrug 21,084 Prozent, die von nicht diagnostiziertem Diabetes 2,950 Prozent mit altersstandardisierten Prävalenzen von 19,709 Prozent (Prädiabetes) bzw. 2,741 Prozent (Diabetes)."
Prädiabetes ist eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes, bei der der Blutzuckerspiegel höher als normal ist, aber noch nicht hoch genug, um als Diabetes diagnostiziert zu werden.
Unbehandelt kann Prädiabetes innerhalb von fünf bis zehn Jahren zu Typ-2-Diabetes fortschreiten. Er erhöht auch das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle.
Die gute Nachricht ist, dass Prädiabetes oft reversibel ist. Die Behandlung konzentriert sich auf Änderungen des Lebensstils, um das Fortschreiten zu Typ-2-Diabetes zu verhindern oder zu verzögern
Männer waren (altersstandardisiert) sowohl bei der Vorstufe zur Zuckerkrankheit mit 23,635 Prozent zu 16,531 Prozent (Frauen) als auch bei Diabetes mit 3,585 Prozent zu 2,957 Prozent häufiger betroffen.
2017 standen einem Anteil von sieben Prozent an bekanntem Typ-2-Diabetes in der Untersuchung 2,8 Prozent an nicht diagnostizierter Zuckerkrankheit gegenüber, im Jahr 2023 waren es 6,7 zu ebenfalls 2,8 Prozent.
Anfang November hat die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) darauf hingewiesen, dass laut Schätzungen rund zehn Prozent der Bevölkerung in Österreich an Diabetes mellitus leiden. Aber nur 70 Prozent der Erkrankungen werden tatsächlich erkannt.
Eine Untersuchung bei rund 3.000 Patientinnen und Patienten, die in Oberösterreich stationär im Spital aufgenommen wurden, hat bei 51,5 Prozent entweder Prädiabetes oder Diabetes ergeben.