Wien verliert eine Legende der Clubszene: Die Pratersauna hat ihre Türen geschlossen. Eigentlich sollte der Kult-Club die Nacht zum Jahreswechsel mit einer "special night" feiern. "We are ready for the new year, are you?", stand noch auf der Webseite der Pratersauna. Doch daraus wurde nichts: Bereits Mitte Dezember zog die Praternostra GmbH aus der Location neben dem Wurstelprater aus.
"Es ist ein Drama", sagt Geschäftsführer Sebastian Müller-Klasz, der die Pratersauna erst Anfang 2025 übernommen hatte und die Location wieder auf Kurs bringen wollte, gegenüber der Lokal-Nachrichtenseite "Zwischenbrücken". Doch eine Räumungsklage des Eigentümers machte alle Pläne zunichte. "Wir sind ausgezogen, weil eine Räumungsklage gegen unseren Vermieter anhängig ist. Ich habe die Miete immer an die RHC Invest GmbH von Martin Ho gezahlt, aber die Miete wurde nicht richtig an die Eigentümer weitergegeben", erklärt Müller-Klasz.
1965 eröffnet, wandelte sich die Pratersauna vom Wellness-Tempel zum Swinger-Club und schließlich zu einem der angesagtesten Wiener Clubs. 2010 kürte das Berliner Magazin De:Bug die Location zum zweitbesten Club weltweit. Nach wechselhaften Jahren und einer erfolglosen Übernahme durch Martin Ho Anfang 2016 versuchte Müller-Klasz mit einem neuen Konzept, die Pratersauna wieder zu einem Zuhause für die Szene zu machen.
Doch die Herausforderungen waren enorm: 36.000 Euro Monatsmiete, ein verschüttetes Vertrauen des Publikums und schließlich der Druck durch eine drohende Räumungsklage. Der letzte Höhepunkt war eine Sex-Positive-Party des Kollektivs SYMBIOTIKKA am 13. Dezember.
Kurz danach sorgte Martin Ho für Schlagzeilen: Laut Medienberichten wurde er nach einem häuslichen Vorfall vorübergehend festgenommen und erhielt ein Waffenverbot. Die Ermittlungen wurden aber bald eingestellt. Die Silvesterparty fiel aus, Equipment von unterstützenden Kollektiven wurde zurückgezogen, und Ho erklärte via Pressesprecher: "Die Ricemoney Hospitality Group wird die Fläche künftig nicht mehr bespielen. Zehn Jahre nach Übernahme der 'Pratersauna' verabschiedet sich die Ricemoney Hospitality Group mit Respekt von einer langjährigen Institution der Wiener Clubkultur".
Wie es mit der Location in der Waldsteingartenstraße 135 weitergeht, ist unklar. Eigentümervertreter schweigen, und die nächste juristische Entscheidung steht vor dem Landesgericht aus. Für Müller-Klasz, der gerade Vater geworden ist, ist ein Neubeginn aktuell unmöglich. Doch er bleibt optimistisch: "Die Pratersauna hat schon so viele Angriffe überlebt, dass ein Neubeginn möglich wäre."