Was auf Onlineplattformen, Flohmärkten oder im Reisegepäck auftaucht, wirkt oft harmlos. Tatsächlich steckt dahinter gelegentlich illegaler Handel mit streng geschützten Tieren und Produkten – organisiert, international und hochprofitabel.
Genau diesen Strukturen ging der Zoll nach. Die aktuellen Aufgriffe zeigen, wie vielfältig die Schmuggelwege sind – und wie präsent das Geschäft auch in Österreich ist.
Im Rahmen der internationalen Operation "Thunder 2025" beteiligte sich das Zollamt Österreich an einer weltweiten Schwerpunktaktion von Interpol und Weltzollorganisation. Die Einsätze fanden in den letzten Wochen des Jahres 2025 statt und richteten sich gezielt gegen den Handel mit geschützten Tieren, Pflanzen und daraus hergestellten Produkten.
In Österreich wurden sechs Elfenbeinfiguren sichergestellt, die online zum Verkauf angeboten worden waren. Auf einem Wiener Flohmarkt entdeckten Zöllner außerdem 55 Ohrringe aus Papageienfedern aus Peru. Im Reiseverkehr wurde eine griechische Landschildkröte aufgegriffen, die Reisende aus Bosnien und Herzegowina über Wien außer Landes bringen wollten.
Auch der Post- und Warenverkehr spielte eine zentrale Rolle. Im Postverteilzentrum Wien stellten die Beamten 540 Kapseln eines Nahrungsergänzungsmittels mit dem Inhaltsstoff Rosenholz sowie 230 Gramm Beluga-Kaviar in Sendungen sicher.
Ein weiterer Fund gelang bei einer Zollabfertigung: In einer Kuriersendung aus der Türkei wurde ein Armband aus Alligatorenleder entdeckt. In allen Fällen wurden Anzeigen gegen insgesamt sieben Personen erstattet, die weiteren finanzstrafrechtlichen Ermittlungen führen die zuständigen Behörden.
International zeigte die Operation das volle Ausmaß der Wildtierkriminalität. Weltweit kam es zu 4.640 Sicherstellungen und zur Identifizierung von rund 1.100 Tatverdächtigen. Nahezu 30.000 lebende Tiere wurden beschlagnahmt, dazu zehntausende geschützte Tier- und Pflanzenprodukte sowie große Mengen illegal geschlagenen Holzes.
Interpol berichtet von einer klaren Entwicklung: Besonders der Handel mit lebenden Tieren für den Markt exotischer Haustiere nahm stark zu. Der jährliche Umsatz der Wildtierkriminalität wird auf rund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt.
"Der Versuch, mit geschützten Arten oder deren Nebenprodukten Geld verdienen zu wollen, ist kein Kavaliersdelikt", sagte Finanzminister Markus Marterbauer.
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl erklärte: "Dass im Rahmen dieser weltweiten Aktion rund 30.000 lebende Tiere sichergestellt wurden, ist ein starkes Signal für den Artenschutz und für die Entschlossenheit der Behörden, gegen den illegalen Handel vorzugehen."