Preise steigen extrem – das wird nun alles noch teurer

Hersteller kämpfen mit steigenden Rohstoffpreisen – und geben diese an Kunden weiter. (Symbolbild)
Hersteller kämpfen mit steigenden Rohstoffpreisen – und geben diese an Kunden weiter. (Symbolbild)Getty Images/iStockphoto
Lieferketten-Chaos und Corona-Pandemie haben extreme Auswirkungen auf die Wirtschaft. In den kommenden Monaten werden massive Teuerungen erwartet.

Im Welthandel klemmt es. Nach der Blockade im Suezkanal stauen sich jetzt auch noch die Container an den gigantischen Häfen Asiens. Dadurch kommt es bei der Lieferung von Gütern teils zu enormen Verzögerungen. Auch für die österreichischen Kunden bedeutet das Einschränkungen. Je nach Branche drohen ein reduziertes Sortiment, längere Wartezeiten auf die Ware oder Preiserhöhungen – "Heute" berichtete.

Doch auch auf der Rohstoffseite hat die Krise hat das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ins Wanken gebracht. Während die Hersteller Produktion und Lagerbestände pandemiebedingt herunterfahren mussten, stieg etwa die Nachfrage nach Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen sowie Bau- und Renovierungsmaterialen für Innenräume und Außenanlagen an.

Weitere Steigerung erwartet

Im Zusammenspiel mit dem Pandemie-Chaos und Ausfällen in der Forstwirtschaft durch Extremwetter und Schädlinge ließ das etwa bei Holz eine enorme Preissteigerung. In unserem Nachbarland Deutschland hat sich der Festmeter-Preis seit September verdoppelt – und könnte noch bis Jahresende um ein weiteres Drittel nach oben schnalzen.

So zumindest die Einschätzung einer Studie der Managementberatung "Horváth", für die mehr als 1.000 Führungskräfte in zwölf europäischen Ländern befragt wurden.

Auch Stahl wird teurer

Holz ist aber nicht die einzige Ressource, die davon betroffen ist. Im Durchschnitt habe es Preissteigerungen um 30 Prozent seit Herbst 2020 beziehungsweise 20 Prozent seit Jahresbeginn– mit Spitzen von 65 Prozent beispielsweise bei metallischen Sekundärrohstoffen – gegeben. 

"Aufgrund von massenhaften Auftragsstornierungen zur Coronakrise haben die Stahlproduzenten teilweise komplette Produktionsstätten stillgelegt und die Zwangspause für langwierige Wartungsarbeiten genutzt", sagt Danilo Zatta von Horváth. "Dann hat sich die Wirtschaft schneller erholt, als die Produktionsmengen wieder hochgefahren werden konnten."

Rekordhoch bei Kunststoffen

Die unerwartet schnelle konjunkturelle Erholung hat auch die Kunststoffpreise stark in die Höhe getrieben, da dieser Rohstoff in großen Mengen für nahezu alle langlebigen Güter wie Immobilien, Autos, Möbel und Haushaltsgeräte benötigt wird, die allesamt eine sprunghaft angestiegene Nachfrage verzeichnen.

Auch für kurzlebige Konsumgüter werden trotz Nachhaltigkeitstrend große Mengen an Plastik benötigt, da aus hygienischen Gründen zur Ansteckungsvermeidung vermehrt auf Plastikverpackungen für Lebensmittel und Take-away-Produkte gesetzt wird. Dazu kommen Lieferungsengpässe durch Extremwetter in den USA, deren Energieversorgung durch eine Kältewelle gestört war.

So teuer wie seit 2015 nicht mehr

In der Folge sind Kunststoffmaterialien wie Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) so teuer wie seit Jahr 2015 nicht mehr. Zu weiteren Rohstoffen, die von starken Preissteigerungen betroffen sind, gehören Kupfer, Eisenerz, Öl, Palladium und Rhodium. Und auch Materialien sowie Halbfertigprodukte verzeichnen starke Preisanstiege, was vor allem die Möbelindustrie hart trifft.

Plötzliche Preissprünge auch nach Pandemie

Sprunghafte Preissteigerungen für Rohstoffe werden Horváth-Experte Zatta zufolge auch nach der Pandemie an der Tagesordnung sein, da Extremwetterereignisse, Infrastrukturstörungen, Finanzmarktentwicklungen, Handelskonflikte und Logistikprobleme auf den zunehmend strapazierten Verkehrsadern zunehmen und sich die Folgen durch den hohen Grad an Globalisierung unmittelbar und stark auswirken.

Für die Unternehmen bleibt die Situation also eine schwierige: "Die Erhöhungen werden weiterhin oft so plötzlich kommen, dass sich Hersteller in der Zange von Lieferanten wiederfinden, die höhere Preise verlangen, mit Kunden auf der anderen Seite, an die eine Erhöhung nicht unmittelbar weitergegeben werden kann."

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