Pro Monat 43 antisemitische Vorfälle in Österreich

Ein den Holocaust verharmlosendes Schild auf einer Corona-Demo in Wien, 26. September 2020.
Ein den Holocaust verharmlosendes Schild auf einer Corona-Demo in Wien, 26. September 2020.Martin Juen / SEPA.Media / picturedesk.com
Die Israelitische Kultusgemeinde verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 insgesamt 257 antisemitische Vorfälle. Auch physische Angriffe waren dabei.

Ein erschütterndes Bild zeichnet der Halbjahresbericht der Antisemitismus-Meldestelle. 257 antisemitische Vorfälle gingen bei der Israelitischen Kultusgemeinde ein und wurden von Experten verifiziert. Dabei sei allerdings von einer weitaus höheren Dunkelziffer auszugehen, merkt IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele an.

Dabei zeigten sich allerdings große Schwankungen von Monat zu Monat, was der Corona-Pandemie geschuldet sein dürfte. Der Monatsdurchschnitt liegt im Vorjahresvergleich deswegen mit 42,8 etwas unter jenem von 2019 (45,8).

Angriffe, Bedrohungen, Sachbeschädigungen

Der mit Abstand größte Teil der 257 Vorfälle entfällt auf "verletzendes Verhalten". Dazu zählen etwa direkte Beschimpfungen, Beleidigungen, Kommentare oder Botschaften. Massenzuschriften gab es 81, darunter versteht man antisemitische Äußerungen in Publikationen oder Rundmails.

Dazu kommen 26 Sachbeschädigungen (Übergriff auf ein Objekt, aber auch Beschmierungen), acht Bedrohungen (konkret formulierte Androhung physischer Gewalt) und sogar drei tätliche, physische Angriffe.

Corona-Demos

Eindeutig antisemitische Bezüge gab es bei einem 2020 neuen Phänomen: Den Corona-Demos. Dort beteiligten sich rechtsextreme Burschenschaften, Mitglieder der identitären Bewegung sowie einzelne Aktivisten aus dem neonazistischen Milieu, wie es im Bericht der Antisemitismus-Meldestelle heißt. Explizit verwiesen wird auch auf die rechte Aktivistin Jennifer Klauninger und "Team HC Strache"-Kandidat Christina Kohl, die mit verschwörungstheoretischen Parolen wie "Soros muss weg!" und "Rothschild muss weg!" auffielen.

Meldungen antisemitischer Vorfälle können online über antisemitismus-meldestelle.at gemacht werden. "Damit wollen wir dazu beitragen, Antisemitismus besser zu erfassen und sichtbar zu machen. Es ist die Grundlage, um in der Folge Strategien gegen Antisemitismus zu formulieren", sagt IKG-Präsident Oskar Deutsch.

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