Österreich

Zeugen nicht da: Maurer-Prozess wird vertagt

Heute Redaktion
13.09.2021, 19:36

Ex-Grüne Sigi Maurer stand am Dienstag vor Gericht gegen einen Bierlokal-Besitzer. Der Prozess musste vertagt werden, weil zwei Zeugen nicht erschienen.

Laut dem Kläger wollen zwei für ihn wichtige Zeugen nicht vor Gericht erscheinen, weil die vom "roten Wien" eingeschüchtert worden seien. Der Richter im Prozess gegen die Ex-Grüne Sigi Maurer will diese Zeugen aber unbedingt ausfindig machen und musste deshalb einen zweiten Prozesstag ansetzen.

Ein Urteil gab es am heutigen Dienstag also keines. Der erste Prozesstag war dennoch spannend.

Worum geht's?

Die Ex-Grüne Sigi Maurer trug am 30. Mai eine private Nachricht an die Öffentlichkeit, in der sie sexuell belästigt wurde. Sie soll von einem Bierlokal-Betreiber in der Josefstadt stammen, an dessen Geschäft Maurer täglich auf dem Weg zur Arbeit vorbeigeht. Rechtlich konnte Maurer nicht gegen ihn vorgehen.

Der Bierlokal-Betreiber aber schon. Er streitet ab, die Nachricht geschrieben zu haben und klagte Maurer auf Kreditschädigung und Übler Nachrede. Am Dienstag begann der Prozess.

"Ich bereue es nicht"

Sigi Maurers Verteidigerin brachte vor, dass durch diesen Prozess eine "klassische Täter-Opfer-Umkehr" betrieben würde. Nicht der Biershop-Betreiber sei das Opfer, sondern Maurer, die sexuell belästigt wurde.

Maurer bekannte sich vor dem Richter "nicht schuldig". "Ich hatte keine andere Möglichkeit mich zu wehren", sagte sie. "Nein, ich bereue es nicht. Genauso würde ich es nicht mehr machen, aber gegen Einschüchterungsversuche und Bedrängungsversuche würde ich mich trotzdem wehren. Wir leben im Jahr 2018!"

Kein Nazi, weil Frau Jugoslawin

Dann sprach der Biershop-Betreiber, der in dem Prozess als Kläger auftritt. Maurer habe den Kläger, den Biershop-Betreiber, als Nazi dargestellt, heißt es von dessen Anwalt. Die Nazi-Karte müsse man aber jemand anderem umhängen, sagte der Kläger, denn er sei mit einer Jugoslawin verheiratet.

"Was ist Interpunktion?"

Der Biershop-Betreiber blieb dabei: Er habe die Nachricht nicht verfasst. Jemand anderer sei an dem PC gewesen, der im Lokal stand. Aber die Interpunktion, die Rufzeichen und Satzzeichen sind ziemlich auffällig und passen zu seinen frühere Postings, brachte Maurer vor.

"Wo haben Sie Interpunktion gelernt?", fragte der Richter den Biershop-Betreiber also. "Was ist Interpunktion?" war dessen Gegenfrage. Der Richter quittierte das mit einem: "Das, was Sie nicht können."

Richter genervt

Der Richter wirkte streckenweise etwas genervt mit dem Biershop-Betreiber. Dieser bringe vor, dass ihm sehr viel Geld verloren gegangen sei durch den Shitstorm, den Maurer ausgelöst habe. Doch das müsse er erst einmal mit Zahlen aus der Buchhaltung beweisen: "Wenn Sie nur 20 Kunden am Tag hatten, ist das Geschäft ja auch bisher nicht gut gegangen", so der Richter.

"Könnte Sie verhaften lassen"

Und auch, dass seine Aussagen nicht konsistent waren, ärgerte den Richter. Gleich am Anfang sagte er dem Biershop-Betreiber: "Sie erzählen jetzt eine andere Geschichte als Ihr Anwalt" und wies ihn auf seine Wahrheitspflicht hin: "Wenn ich das Gefühl habe, dass Sie nicht die Wahrheit sagen, könnte ich Sie auch hier verhaften lassen", schärfte er ihm ein.

Gegen 13.40 Uhr wurde der Prozesstag beendet. Die nächste Verhandlung wurde für 9. Oktober angesetzt. (red)

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