Die Zahl der russischen Soldaten, die seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine getötet wurden, steigt weiter. Mit Stand 17. Juli 2026 sind 233.199 Tote namentlich bekannt.
Die von einem Recherche-Team von Mediazona und BBC geführte Liste stützt sich auf öffentlich zugängliche und überprüfbare Informationen. Dazu zählen Berichte regionaler Medien, Mitteilungen von Behörden sowie Einträge von Angehörigen in sozialen Netzwerken.
Diese Bedingungen schränken die Zählung allerdings deutlich ein, denn nicht jeder Tod wird öffentlich gemacht, viele Fälle werden erst Monate oder sogar Jahre später bestätigt.
Die tatsächliche Zahl dürfte deshalb deutlich höher liegen. Für ein umfassenderes Bild von den Auswirkungen von Wladimir Putins Invasion der Ukraine wird deshalb eine zweite Quelle herangezogen: das russische Nachlassregister.
Eine darauf basierende Hochrechnung der statistischen Übersterblichkeit unter Russlands Männern kommt auf rund 352.000 Tote. Diese Schätzung bezieht sich allerdings auf den Stand bis Jahresende 2025. Das gesamte letzte halbe Jahr des Krieges ist darin noch nicht erfasst.
Besonders schwer betroffen ist Baschkortostan. Die russische Teilrepublik hat als erste Region die Marke von 10.000 bestätigten Kriegstoten überschritten. Seit 2024 weist sie die höchsten Verluste des Landes auf.
Auf Platz zwei folgt das benachbarte Tatarstan mit rund 9.000 Toten. Die Region Krasnodar, die zu Beginn des Krieges noch an der Spitze lag, befindet sich inzwischen nur noch auf Platz fünf.
Wie groß die Verzögerung bei der Erfassung ist, zeigt ein Vergleich mit September 2024. Damals waren aus Baschkortostan rund 2.800 Tote bekannt. Nachträglich stieg diese Zahl für denselben Zeitraum auf mehr als 4.900.
Auch Jahre später werden noch Todesanzeigen von Männern entdeckt, die bereits 2022 oder 2023 ums Leben gekommen sind. Selbst die aktuelle Namensliste gilt deshalb nicht als vollständig und ist nur eine Momentaufnahme.
Inzwischen trifft es auch immer mehr die jüngere Generation: Am 12. Juni 2026 fiel ein Soldat aus der Teilrepublik Burjatien an der Front, der 2008 geboren wurde. Als Putin seinen Überfallbefehl gegeben hatte, war Nikita M. gerade einmal 13 Jahre alt.
Zu Beginn des Kriegs trafen die höchsten Verluste vor allem die Berufsarmee. Ab Herbst 2022 starben zunehmend mobilisierte Männer und aus Gefängnissen rekrutierte Kämpfer.
Seit 2023 bilden jedoch Freiwillige die größte Gruppe unter den Toten. Gemeint sind Männer, die erst nach Beginn des Angriffs am 24. Februar 2022 einen Vertrag mit der russischen Armee unterschrieben haben.
Die Zahl der Toten unterscheidet sich stark von Region zu Region. Ein entscheidender Faktor ist offenbar, wie intensiv die örtlichen Behörden Männer für den Krieg anwerben.