FSB wird immer mächtiger

Putin verschärft Internet-Zensur in Russland massiv

Russland verschärft Internet-Zensur: FSB erhält mehr Macht, mobile Netze werden abgeschaltet, VPNs blockiert. Die Informationsfreiheit ist in Gefahr.
Newsdesk Heute
10.04.2026, 07:53
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In Russland wird das Internet zunehmend zum streng überwachten Raum. Die Behörden bauen die digitale Kontrolle weiter aus.  Was mit der groben Sperrung einzelner Websites und Versuchen, Telegram lahmzulegen, begann, habe sich zu einem ineinandergreifenden System umfassender Kontrolle entwickelt, berichtet "MediaZona".

Konkret geht es um eine massive Ausweitung der Zensur-Infrastruktur und massenhafter Abschaltungen des mobilen Internets (auf Anordnung des Geheimdienstes FSB), Kontrolle der Nachrichtenübermittlungen und der systematischen Einschränkungen von Umgehungswerkzeugen wie VPNs und zunehmenden Druck auf deren Nutzer.

Angeblich wegen Ukraine-Bedrohung

Im Laufe des vergangenen Jahres sind die großflächigen Sperrungen des mobilen Internets in ganz Russland schon Alltag geworden. Als Begründung geben die Behörden die Gefahr von Drohnenangriffen aus der Ukraine an. Im Februar 2026 verabschiedete die Staatsduma einen Gesetzentwurf, der den FSB ermächtigt, von Mobilfunkbetreibern die Unterbrechung der Mobilfunkverbindungen zu verlangen.

In einem zwischen den Lesungen eingebrachten Änderungsantrag wurde das Wort "ersucht" durch "verlangt" ersetzt, und der Verweis auf "Sicherheitsbedrohungen" als Voraussetzung wurde vollständig gestrichen. Das Einzige, was die neue Befugnis des FSB eingrenzt, ist ein Präsidialdekret von Kreml-Kriegstreiber Putin persönlich.

Maximales Misstrauen

Für die russischen Bürger hat das massive Folgen. Sie würden gezwungen, "von WLAN-Hotspot zu WLAN-Hotspot zu hetzen", schreiben die unabhängigen Journalisten. Wo das mobile Internet abgeschaltet wird, können Taxis nicht mehr bestellt werden, Öffi-Apps funktionieren nicht mehr, und Nachrichten können nicht versendet werden, Kartenzahlung wird vielfach unmöglich. Selbst Taxifahrer campierten in der Nähe von offenen WLAN-Hotspots, um vielleicht doch noch von Kunden erreicht zu werden.

Russland bekämpft inzwischen WhatsApp und Telegram massiv. Seit einigen Monaten gibt es einen "nationalen Messenger" namens "Max". Obwohl das Misstrauen der App gegenüber riesig ist, werden die russischen Bürger dazu gezwungen, sie zu installieren.

"Die Einführung wurde auf allen Ebenen mit Zwangsmaßnahmen vorangetrieben, wobei Schüler und Studenten mit Konsequenzen bedroht wurden, sollten sie sich weigern, die neue App zu installieren", schreibt Mediazona. Wer es sich leisten kann, würde sich ein eigenes Handy samt SIM-Karte extra für Putins Spitzel-Messenger besorgen. "Eine regierungsnahe Quelle erklärte, dass 'jeder der Ansicht ist', die Installation von Max auf dem eigenen Smartphone sei gleichbedeutend damit, das Gerät dem FSB zu übergeben."

Auch technisch rüstet der Staat auf: Internetanbieter müssen strengere Vorgaben erfüllen und den Datenverkehr stärker überwachen. Experten sprechen von einem immer dichteren "Souveränen Internet", das Russland zunehmend vom globalen Netz abschottet.

Für Nutzer wird es damit immer schwieriger, an unzensierte Informationen zu kommen. Viele greifen bereits zu Umgehungslösungen wie VPN – doch auch diese stehen zunehmend im Fokus der Behörden.

Die Jugend ist sauer: "Schleichts euch! Gebt uns in Russland VPN zurück!", tobt eine junge Frau in Moskau. Sie können weder Telegram noch TikTok nutzen, würden VPNs auch noch abgedreht, dann wäre ihr Handy bloß noch "ein nutzloser Ziegelstein".

Menschen haben Angst

Die kumulativen Auswirkungen dieser Maßnahmen hätten das tägliche Leben in Russland weit über das Internet hinaus verändert. "Die Menschen berichten von der Angst, nachts ohne Kommunikationsmöglichkeiten auf der Straße zu sein, insbesondere in den Städten im Süden, wo Soldaten, die mit posttraumatischem Stress von der Front zurückkehren, allgegenwärtig sind. Geschäfte akzeptieren keine Kreditkartenzahlungen mehr. Taxi- und Karten-Apps sind bestenfalls unzuverlässig", so Mediazona.

Kritiker warnen: Die Entwicklung geht klar in Richtung eines kontrollierten Staatsinternets nach chinesischem Vorbild. Die Informationsfreiheit im Land steht damit weiter unter Druck.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 10.04.2026, 07:57, 10.04.2026, 07:53
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