Für zehn Reinigungskräfte ist die Insolvenz ihres Arbeitgebers zum Albtraum geworden. Nach der Pleite einer Wiener Putzfirma warten die Beschäftigten auf ausstehende Löhne von insgesamt fast 36.000 Euro netto. Jetzt unterstützt das Insolvenzbüro von Arbeiterkammer und ÖGB die Betroffenen dabei, zu ihrem Geld zu kommen.
Die Mitarbeiter reinigten Büros und Hotelzimmer, doch Lohnabrechnungen gab es laut AK oft gar nicht. Offen sind inzwischen Gehälter für zwei oder mehr Monate. Manche Beschäftigte erhielten nur Teilzahlungen, andere gingen völlig leer aus.
Besonders brisant sind die Vorwürfe rund um die Beschäftigung. Ein Mitarbeiter soll bei der Sozialversicherung lediglich mit fünf Wochenstunden gemeldet gewesen sein, obwohl er tatsächlich Vollzeit arbeitete. Eine weitere Arbeitnehmerin soll unter dem kollektivvertraglichen Mindestlohn bezahlt worden sein. Auch diese Differenz wird nun eingefordert.
Dazu kommen laut AK rund 340 geleistete Mehr- und Überstunden, die bis heute nicht bezahlt wurden.
Auch die Firmenführung wirft Fragen auf. Noch vor der Insolvenz wechselten zweimal die Gesellschafter – einer davon erst knapp zwei Wochen vor der Pleite. Laut Insolvenzverwaltung war der zuletzt eingetragene Gesellschafter zunächst nicht erreichbar und vertröstete die Insolvenzverwalterin später mehrfach. Verwertbare Geschäftsunterlagen seien kaum vorgelegt worden.
Die Arbeiterkammer sieht den Fall als Beispiel dafür, wie rasch Beschäftigte in finanzielle Not geraten können: "Wer in Niedriglohnbranchen wie der Reinigung arbeitet, kann nichts auf die hohe Kante legen. Wenn Betroffene monatelang auf ihr Geld warten müssen, kann das schnell zur existenziellen Bedrohung werden", so Karin Ristic, Leiterin der Insolvenzberatung der AK Wien.
„Es ist daher aus Sicht der AK völlig inakzeptabel, wenn die Beschäftigten dafür den Kopf hinhalten sollen, wenn Unternehmen mit ihren Firmen in Konkurs gehen“Karin RisticLeiterin der Insolvenzberatung der AK Wien
Scharfe Kritik übt die AK-Expertin auch an der Finanzierung des Insolvenz-Entgelt-Fonds: "Nachdem ÖVP-Minister Martin Kocher den Insolvenzbeitrag 2022 halbiert hat, geht dem Fonds das Geld aus. Beim Insolvenz-Entgelt handelt es sich um keine milde Geste, sondern um Geld, für das die Arbeitnehmer:innen bereits ihre Leistung erbracht haben. Es ist daher aus Sicht der AK völlig inakzeptabel, wenn die Beschäftigten dafür den Kopf hinhalten sollen, wenn Unternehmen mit ihren Firmen in Konkurs gehen."