"Zwickts mi", lachte Ralf Rangnick sichtlich erleichtert und gleichermaßen erschöpft vor der Abreise. Der Deutsche brachte damit nicht nur zum Ausdruck, dass er ob des Last-Minute-Aufstiegs bei der WM immer noch ungläubig sei. Er zitierte damit Austro-Pop und signalisierte einmal mehr die enge Verbindung, die Österreichs Teamchef mit seiner Wahlheimat längst hat.
Sein Gefühl sollte sich auch nach der Heimreise ins Base Camp nicht grundlegend ändern. Nur rund zwei Stunden Schlaf habe er nach dem Spiel zur amerikanischen Primetime und der beschwerlichen Rückreise an die kalifornische Küste nach Santa Barbara erwischt.
Seine Stimmung? "Wenn ich ehrlich bin, kann ich immer noch nicht glauben, was da passiert ist in diesen 90 oder 120 Sekunden."
Zur Erinnerung an Rangnick, und alle ÖFB-Fans, denen es auch am Tag danach noch ähnlich ergeht: In Minute 93 schoss Riyad Mahrez Algerien im Gruppenfinale der WM mit 3:2 in Führung. In diesen Momenten war der Traum für Österreich geplatzt. Ursprünglich waren nur vier Minuten Nachspielzeit angezeigt. Niemand glaubte mehr an das Wunder. "Joker" Sasa Kalajdzic besorgte es dennoch.
In Minute 96 köpfte der LASK-Doublesieger die Nation ins Glück und Rangnick mit seinem Team ins Sechzehntelfinale. Am Donnertag (21 Uhr, "ServusTV") trifft Österreich dort auf Gigant Spanien.
Rangnick schüttelt den Kopf: "Ich bin jetzt seit 40 Jahren Trainer, aber ich kann mich nicht mal im Ansatz an ein Spiel erinnern, das so einen dramatischen Verlauf hatte wie dieses."
Und jetzt? "Im Moment sind wir einfach nur happy und glücklich."
Was ist gegen Übermacht Spanien drin? "In dem Spiel können wir nur gewinnen. Die Chance werden wir suchen - in einem Spiel ist immer alles möglich."