Rapids "Spielverderber" bereut Wechsel zur Bundesliga

Raphael Landthaler
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Raphael Landthaler war Finanzchef von Rapid und Vorstand der Bundesliga. Er wollte die Liga reformieren, stattdessen kam es zur schnellen Trennung.

Als "Spielverderber", wie er seine Rolle selbst beschreibt (mehr dazu später), war Raphael Landthaler bei Rapid mitverantwortlich für den Neubau des Allianz Stadions, die fortschreitende Digitalisierung und Professionalisierung des österreichischen Rekordmeisters. Seine Ära als Direktor im Bereich Finanzen und Organisationsentwicklung endete 2020 durch seinen "Transfer" in den Vorstand der Bundesliga.

Sein dortiges Engagement endete wiederum nach nicht einmal einem Jahr. Den Wechsel bereut er inzwischen, wie er in der jüngsten Folge des Podcast "KaffeehausTalk" verrät. Landthaler hatte im österreichischen Fußball noch viel vor. Stattdessen arbeitet er nun wieder als selbstständiger Unternehmensberater.

Rapids "Spielverderber"

Der 45-Jährige kam 2007 erstmals beruflich mit dem SK Rapid in Berührung. Er beriet Rapid viele Jahre, eher er vom damaligen Präsidenten, Michael Krammer, 2015 zum Finanzchef gemacht wurde. Besonders stolz ist Landthaler, der seine Zeit bei Rapid als "erfolgreich" bezeichnet, auf den Stadionneubau – "eine Benchmark in Europa um den Preis von 55 Millionen Euro". Sein Steckenpferd: die Digitalisierung. "2015 hat es bei Rapid keinen IT-Mitarbeiter gegeben. Das war alles ausgelagert. Es gab externe Systeme, die nicht miteinander verbunden waren. Mit dem Aufbau eines verbundenen Systems und mit eigenen Mitarbeitern konnte man Kosten einsparen und ist mit seinen Fans nun besser verbunden."

Als Finanzchef sah er sich häufig in der Rolle des Spielverderbers: "Ich kann mich an viele Diskussionen mit sportlich Verantwortlichen erinnern, die oft gemeint haben: 'Wir müssen jetzt ein bisschen was riskieren, um den nächsten Schritt zu machen, uns zu verbessern.' Ich hab dann gesagt: 'Wer trägt denn das Risiko, was ist, wenn es nicht aufgeht?' Dieses Spannungsfeld, auch der Spielverderber zu sein, der analysiert, die Risiken immer aufzeigt. Das macht es herausfordernd für jeden Sportklub." Die Sport-Geschäftsführer in Landthalers Amtszeit: Andreas Müller, Fredy Bickel und Zoran Barisic. Die Trainer: Zoran Barisic, Mike Büskens, Damir Canadi, Goran Djuricin und Dietmar Kühbauer.

Die Emotionalität im Umfeld eines großen Klubs wie Rapid übe viel Druck aus, aber: "Wenn man erfolgreich ist, macht es vieles einfacher. Dann schwimmt man auf einer Euphoriewelle." Tradition spielt für den Niederösterreicher viel Rolle. Das wird deutlich, lauscht man seinen Schilderungen jenes Konzeptes, das ihn zum Bundesliga-Vorstand machte. Krammer wollte Landthaler gerne halten. Die Aussicht, auf Liga-Ebene eine Reform verantworten zu dürfen, war aber zu verlockend. "Präsident Michael Krammer hat damals gemeint: 'Bleib doch bei Rapid, du kannst bei uns mehr bewegen als bei der Liga.' Dort kann ich nicht so viel bewegen, war seine Meinung. Im Nachhinein betrachtet, hat er hier Recht behalten."

"Transfer" zur Liga

Denn Landthaler bereut seinen Wechsel: "Im Nachhinein würde ich einige Dinge anders machen oder gar nicht mehr zur Liga wechseln, wenn hier nicht dieser Reformgedanke viel breiter getragen wird." Der Abschied war einvernehmlich. Seine geplante Reform? Geplatzt. Coronabedingt, wie ihm mitgeteilt worden sei. Der Ex-Vorstand will aber einen weiteren Zusammenhang erkannt haben. Mit Siegmund Gruber schied ein Reformbefürworter aus dem Vorstand aus, nicht ganz freiwillig. Der LASK sorgte vergangene Saison durch die verbotenen Mannschaftstrainings während des ersten Corona-Lockdowns für einen Skandal – Klubboss Gruber wurde der Rücktritt von Kollegen nahegelegt.

Landthaler: "Ich nehme an, dass sich hier dann neue Mehrheiten gebildet haben im Aufsichtsrat. Vielleicht fehlte hier der Fahnenträger für den Reformweg. Vielleicht wurde ich auch zu viel mit der Person Siegmund Gruber in Verbindung gebracht. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich sehr sachorientiert denke."

Die gescheiterte Reform

Wie hätte die geplante Reform aussehen sollen? Landthaler hatte Potenzial bei der Vermarktung und Digitalisierung ausgemacht. "Es ging darum, wie schon bei Rapid, Inhaus-Kompetenzen aufzubauen. Weniger Agenturen zu beschäftigen, sondern selber eine Vermarktungs-Unit innerhalb der Liga aufzubauen. Das Produkt zu stärken, auch den Wettbewerb neu zu denken. Stichwort: Ligaformat. Ich habe mich natürlich vorab umgehört und gewusst, dass in Schweden aus der TV-Vermarktung 55 Millionen Euro, in Dänemark 45 Millionen erwirtschaftet werden. Also deutlich höhere Beträge als in Österreich. Natürlich waren da Investitionen in der Digitalisierung notwenig, um in den genannten Ländern diese Zahlen zu ermöglichen. Darauf habe ich auch mein Konzept aufgebaut."

Raphael Landthaler im Podcast "KaffeehausTALK".
Raphael Landthaler im Podcast "KaffeehausTALK".Sportsbusiness.at

Landthaler hätte sich mit Christian Seifert, dem Boss der Deutschen Fußball Liga, getroffen, ihm sein Konzept vorgelegt. Der habe ihm beigepflichtet: "Wer jetzt nicht in die Digitalisierung investiert, wird den Anschluss verlieren." Und: "Jene Ligen, die über eine starke Organisationseinheit verfügen, sind deutlich erfolgreicher als jene, wo die Liga eine reine Administrationsrolle hat." Gestalten statt verwalten – das hatte Landthaler ja ursprünglich im Sinne.

Auch die 2. Liga hätte er sich im Zuge der Reform vorgeknöpft. Die Mischung aus Amateuren und Profis sieht er als problematisch. Stichwort: Tradition. "Vorwärts Steyr gegen GAK hatte im November 2020 zum Beispiel über 2500 Zuschauer in einem sportlich relativ bedeutungslosen Spiel. Das macht es aus, dass diese traditionsreichen Marken aus gewissen Städten mit Einzugsgebiet in der Liga spielen." Das meiste Potenzial macht er etwa bei der Vienna und dem Wiener Sport-Club aus. "Auch Krems ist aus meiner Sicht eine interessante Stadt mit 30.000 Einwohnern und einem Einzugsgebiet. Wenn man es ermöglichen kann, dass man diesen Klubs eine Perspektive gibt, dass sich die in der 2. Liga entwickeln können, ihre Infrastruktur auf Vordermann bringen, dann hat man eine wirklich interessante Liga. (…) Ich bin überzeugt, 20 bis 24 Klubs schaffen es in Österreich, Profifußball zu spielen, wenn es die richtigen Klubs wären. Das gibt unser Land her. Es geht um diese Traditionsmarken, die Zuschauer begeistern können und eine gewisse Fanbasis mitbringen."

Im Podcast geht er noch näher auf seine Zeit bei Rapid, den Stadionbaum im Speziellen ein. Landthaler erzählt auch über seine Rolle als Boardmember in der ECA, der Interessenvertretung europäischer Klubs. Dort verhandelte er zum Beispiel mit Goalie-Ikone Edwin van der Sar über den neuen, dritten UEFA-Bewerb, die Conference League. So schnappte er auch das eine oder andere Detail auf, wohin sich der europäische Klubfußball in den kommenden Jahren entwickeln wird. Hier geht's zum Podcast.

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