Mit Harry Kane haben die Münchner nach einem regelrechten Transfer-Theater den heißersehnten Stürmer unter Vertrag genommen, Min-Jae Kim wurde als neuer Abwehrchef von Napoli geholt. Trotzdem rumorte es in den letzten Tagen des Transferfensters beim deutschen Serienmeister. Einerseits, weil Benjamin Pavard unbedingt zu Inter Mailand wollte, aber kein Ersatz gefunden wurde, andererseits, weil Tuchel seine "Holding Six", die er wochenlang forderte, nicht bekam. Der Transfer von Joao Palhinha platzte in den letzten Stunden des Transferfensters doch noch, weil dessen Klub Fulham so kurzfristig keinen Ersatz fand. Tuchel bekam seine Mittelfeld-Verstärkung nicht.
Und das, obwohl der 50-Jährige den Neuzugang mehrmals öffentlich gefordert hatte, damit auch den Druck auf die Bayern-Bosse erhöhte. Dies kam in der Münchner Führungsriege freilich alles andere als gut an.
Deshalb soll es in den letzten Tagen eine Aussprache zwischen Tuchel und den Bayern-Bossen rund um den Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen gegeben haben, berichtet die "tz". Da war wohl auch der neue Sportdirektor Christoph Freund dabei. Das Treffen sei von beiden Seiten jedenfalls "dringend erwünscht" gewesen. Dabei hätte die Führungsriege dem Star-Coach klargemacht, dass das öffentliche Beschweren über den Kader ein Ende haben müsse – ein Raunz-Verbot für Tuchel.
Als Beispiel dient etwa der Auftritt des 50-Jährigen nach dem verlorenen DFB-Supercup (0:3 gegen Leipzig), als Tuchel ratlos sagte: "Das ist erschreckend. Die Diskrepanz zwischen Stimmung, Form und dem, was wir auf den Platz bekommen, ist riesengroß. Es ist für mich unerklärlich. Als hätten wir vier Wochen nichts gemacht. Ich habe keinen Ansatzpunkt." Und über den Kader sagte Tuchel jüngst, dieser sei "ein bisschen dünn". Dreesen konterte, der Coach müsse jetzt "etwas kreativer sein. Das ist sein Job." Ähnliche Aussagen soll es nun aber nicht mehr geben.
Im Gespräch habe Tuchel der mittlerweile aufgelösten Bayern-Transfer-Taskforce, der der Deutsche neben Dreesen, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Kaderplaner Marco Neppe auch selbst angehörte, vorgeworfen, diese habe nach dem finalisierten Kane-Deal zu langsam gearbeitet. Deshalb habe man Palhinha nicht holen können.
Vorerst sind die Wogen geglättet, geht es nun auch um den sportlichen Erfolg. Wenn der ausbleibt, wird Tuchel seinen Frust aber wohl wieder kundtun.