Ein Besuch im Freibad endete für Mädchen und Frauen, die der Volksgruppe der Sinti angehören, in einem Polizeieinsatz. Auslöser waren traditionelle Baderöcke.
Der Vorfall ereignete sich Ende Mai im Freibad St. Georgen in Freiburg im Breisgau. Mehrere 12- und 13-jährige Mädchen trugen knielange Röcke aus Badetextil über ihren Badeanzügen. Ein Bademeister verwies sie deshalb aus dem Becken.
Er beanstandete die knielangen Baderöcke der Mädchen und sah sie offenbar als nicht mit der geltenden Badeordnung vereinbar an. Dabei schrieb die damalige Badeordnung lediglich Badekleidung aus "geeigneten Badetextilien ohne Baumwollanteil" vor. Eine bestimmte Länge der Badekleidung war nicht vorgeschrieben.
Laut Radio Dreyeckland bestanden die beanstandeten Röcke aus Material, das üblicherweise für Schwimmbekleidung verwendet wird. Ein Verstoß gegen die Badeordnung ließ sich durch die Badekleidung der Frauen also nicht nachweisen.
Die Mädchen gehören der Minderheit der Sinti an und erklärten, die Baderöcke aus kulturellen Gründen zu tragen. In der Folge entwickelte sich eine Auseinandersetzung, bei der schließlich die Polizei gerufen wurde. Rund zwei Dutzend Polizisten rückten daraufhin an und warfen die betroffenen Familien aus dem Bad, berichtet das Roma-Büro Freiburg. Zudem wurden Hausverbote ausgesprochen.
Nach dem Vorfall wurden schwere Vorwürfe laut. Unter anderem stand der Vorwurf von Rassismus und Antiziganismus im Raum.
Doch statt einer weiteren Eskalation kam es zu Gesprächen. Vertreter der Betroffenen, des Badbetreibers, der Sinti und Roma sowie der Antidiskriminierungsstelle setzten sich an einen Tisch.
Der Geschäftsführer des Badbetreibers entschuldigte sich für die Eskalation. Die ausgesprochenen Hausverbote wurden aufgehoben. Zudem erhielten die Betroffenen als Entschädigung Saisonkarten für die Freiburger Bäder.
Damit nicht genug: Auch die Badeordnung wurde geändert. Baderöcke sind nun ausdrücklich erlaubt, sofern sie eng anliegen und aus geeignetem Badetextil bestehen. Auch Burkinis sind unter diesen Voraussetzungen erlaubt.
Das Personal soll außerdem zusätzliche Schulungen erhalten. Der Betreiber räumte ein, dass der Konflikt mit einer präziseren Badeordnung hätte vermieden werden können.
Aus einem Streit um ein Stück Badestoff wurde damit eine neue Regel für alle Badegäste - und für die Betroffenen gab es am Ende sogar Saisonkarten.