Attacke von Rechtsradikalen

"Lass mich in Ruhe" – dann flogen Fäuste in der City

Nach einem Angriff durch Rechtsextreme wurden zwei 18-Jährige verurteilt. Die beiden Opfer erlitten teils schwere Verletzungen.
Wien Heute
04.03.2026, 22:04
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Zwei 18-jährige Rechtsextreme sind nach einer brutalen Attacke in der Wiener Innenstadt verurteilt worden. Sie hatten am 26. Juli 2025 bei einer Demonstration der rechtsextremen Identitären teilgenommen.

Mithilfe von Überwachungsvideos konnten die beiden ausgeforscht werden. Wie die APA berichtet, wurden sie wegen gemeinschaftlicher Gewalt zur Verantwortung gezogen. Mit mehreren Dutzend Gleichgesinnten, die großteils vermummt waren, stiegen die beiden gegen 18 Uhr in der Station Schwedenplatz in die U1 ein.

Rechtsextreme Parolen in der U-Bahn

Dabei skandierten sie Parolen wie "Deutschland den Deutschen" und "Ausländer raus". Zwei junge Männer – ein 24-jähriger Tiroler und ein 22-jähriger Wiener – gerieten ins Visier dieser Gruppe.

"Aufgrund meiner Herkunft oder meines Aussehens wurde ich deppert angeredet. Ich bin seit meiner Kindheit, seit dem Kindergarten mit Rassismus konfrontiert", schilderte der 24-Jährige vor Gericht.

Zeuge war fassungslos

Er habe zu einem der Angeklagten nur gesagt: "Lass mich in Ruhe", doch "das Nächste, was ich seh', ist die Faust." Plötzlich seien weitere Leute auf ihn losgegangen, hätten geschlagen und getreten. Man habe ihn auch angeschrien, "dass ich hier nicht willkommen bin."

Videos der Wiener Linien, die im Gerichtssaal abgespielt wurden, zeigen, wie die Angegriffenen aus der U-Bahn flüchten. Der 22-Jährige erzählte als Zeuge, er sei "fassungslos" gewesen, als in der vollen U-Bahn rechte Parolen gebrüllt wurden.

Mutiger Mann stellte sich in den Weg

"Mich hat das schockiert. Ich konnte das nicht fassen. Man konnte das wahrscheinlich an meiner Mimik erkennen." Danach wurde er angesprochen, mit homophoben Sprüchen beschimpft und schließlich niedergeschlagen.

Als die U-Bahn an der nächsten Station hielt, flüchteten die beiden Opfer aus dem Zug. Sie wurden von mehreren Männern verfolgt. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein älterer Mann sich den Rechten mutig in den Weg stellt und den Opfern zuruft: "Lauft's!" In einer weiteren Sequenz laufen die beiden durch die Station Nestroyplatz Richtung Rolltreppe, während sie von Vermummten gejagt werden.

Opfer flüchteten in Lokal

"Es war eine Hetzjagd", berichtete der 24-Jährige dem Gericht. Er und sein Freund konnten sich in einem asiatischen Lokal in Sicherheit bringen und die Polizei rufen. Der Tiroler erlitt eine Fissur am Jochbein, starke Prellungen am Kopf, im Kieferbereich und am ganzen Körper: "Ich hab' vier Tage lang Schädelweh gehabt. Eine Woche konnte ich nix G'scheites essen. Und psychisch war ich am Sand." Der 22-Jährige kam mit Prellungen davon.

Die Angeklagten zeigten sich grundsätzlich geständig, behaupteten aber, sie seien von den Opfern "provoziert" worden. Einer von ihnen war bisher nicht vorbestraft, der andere war keine vier Wochen vor der Tat wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden – ebenfalls im rechtsextremen Zusammenhang.

Bedingte Haft für beide Angeklagten

Trotzdem kam der Wiederholungstäter im dritten Prozess mit 20 Monaten bedingt und einer Geldstrafe von 320 Euro davon. Der zweite Angeklagte erhielt zwölf Monate bedingt. Die Urteile wegen schwerer Körperverletzung in verabredeter Verbindung sind noch nicht rechtskräftig.

{title && {title} } red, {title && {title} } 04.03.2026, 22:04
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