Wer in einer Großstadt lebt, atmet täglich feinste Plastikpartikel ein. Woher diese stammen, haben Forscher des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) und der Universität Oldenburg nun in einer neuen Studie untersucht.
Die Wissenschaftler filterten an einer vielbefahrenen Straße in Leipzig zwei Wochen lang die Luft. Die Filter wurden täglich gewechselt und im Labor analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund zwei Drittel aller Mikro- und Nanoplastikpartikel in der Atemluft gehen auf Reifenabrieb zurück.
Wie Spiegel.de berichtet, sieht der leitende Studienautor Hartmut Herrmann dringenden Handlungsbedarf. "Dass der überwiegende Anteil an Mikroplastik aus Reifenabrieb besteht, zeigt, dass hier Handlungsbedarf herrscht und sich das Feinstaubproblem nicht allein durch den Umstieg auf Elektromobilität lösen lässt", so der Forscher.
Hochgerechnet atmen die Bewohner einer Stadt wie Leipzig rund 2,1 Mikrogramm Plastik pro Tag ein. Das erhöht laut den Forschern das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs um etwa ein Zehntel.
Als Nanoplastik gelten Partikel kleiner als ein Mikrometer, als Mikroplastik jene zwischen einem Mikrometer und einem Millimeter. Die Studie beantwortet allerdings noch nicht, wie stark die Konzentrationen zu verschiedenen Tageszeiten oder an verschiedenen Orten schwanken.
Herrmann fordert, den Reifenabrieb bei der Regulierung der Luftqualität stärker zu berücksichtigen: "Zum Schutz der Gesundheit wäre es wichtig, auch den Reifenabrieb bei der Regulierung der Luftqualität zu berücksichtigen und Grenzwerte für Mikroplastik in der Luft zu erlassen."
In einem Folgeprojekt wollen die Forscher Proben über ein ganzes Jahr nehmen, um auch jahreszeitliche Schwankungen zu erfassen. Die Ergebnisse zeigen schon jetzt, wie wichtig es ist, Nano- und Mikroplastik in der Luft als Schadstoffe zu überwachen.