Die Parlamentswahl in Ungarn steuert auf eine historische Beteiligung zu. Um 19 Uhr haben die Wahllokale geschlossen, aber wer bereits in der Schlange steht, darf noch wählen. Schon um 17.30 Uhr hatten 77,80 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. 2022 waren es zum selben Zeitpunkt nur 67,80 Prozent.
Erste vorläufige Ergebnisse werden gegen 20 Uhr erwartet. Bei einem knappen Ergebnis könnte die Auszählung aber auch bis kommenden Samstag dauern – erst dann langen die Stimmen der 500.000 Auslandsungarn ein, die seit der jüngsten Wahlreform nur persönlich in den jeweiligen Konsulaten wählen können.
Seit der demokratischen Wende 1989/90 war keine Wahl in dem EU-Land so bedeutend wie diese. Amtsinhaber Orban setzt auf alle "Vaterlandsliebenden", sein Herausforderer Péter Magyar gibt sich siegessicher und verspricht ein Ende der Korruption.
Beide Seiten werteten die hohe Wahlbeteiligung als Rekord. Welcher Seite sie nützt, ist noch unklar. Entscheidend wird die geografische Verteilung sein, denn von den 199 Abgeordneten werden 106 in Direktmandaten gewählt.
In den Umfragen liegt Herausforderer Magyar deutlich vorn. "Der Alptraum wird zu Ende sein", sagte er bereits vor der Wahl. Orban muss also zittern.
Die Wahl gilt als Richtungsentscheid für das Land. Orban hatte das Wahlsystem, die Justiz und die Medienlandschaft in seiner 16-jährigen Amtszeit massiv umgebaut. Magyar will einen Neuanfang.