Vier Wochen vor der Parlamentswahl am 12. April kam es in Budapest zum großen Kräftemessen zwischen Ministerpräsident Viktor Orbán und seinem Herausforderer Péter Magyar.
Am ungarischen Nationalfeiertag (15. März) brachten beide Lager Hunderttausende auf die Straße.
Orbán setzt im Wahlkampf-Endspurt auf massive Kriegsangst. Nicht Russland, sondern die Ukraine wird als Feindbild aufgebaut.
Seit Wochen hängen im ganzen Land Zehntausende Plakate mit dem Gesicht des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski.
Wie NTV berichtet, konterte Magyar wenige Stunden nach Orbáns Rede auf dem Budapester Heldenplatz scharf. Er warf dem Ministerpräsidenten vor, die Freiheit Ungarns für 30 Silberstücke verkauft zu haben.
Mit dem früheren Fidesz-Insider Péter Magyar steht Orbán erstmals ein Gegner gegenüber, der seine Macht ins Wanken bringt. Seine nationalkonservative Tisza-Partei liegt seit knapp einem Jahr in den meisten unabhängigen Umfragen vorn. Für Orbán, der Ungarn seit 16 Jahren regiert, geht es ums politische Überleben.
In seiner Rede vor dem Parlament versprach Orbán, Ungarn werde unter seiner Führung eine Insel der Sicherheit und Ruhe bleiben. Die Botschaft der Regierung: Magyar stecke mit Brüssel und Selenski unter einer Decke.
Die Atmosphäre bei den beiden Kundgebungen unterschied sich deutlich. Beim Friedensmarsch am Vormittag lag das Durchschnittsalter der Teilnehmer jenseits der Sechzig. Bei der Tisza-Demonstration waren die Menschen jünger, die Stimmung hoffnungsvoller.
Nach den beiden Großkundgebungen reklamierten beide Seiten Rekordzahlen für sich. Magyar sprach von einer halben Million Teilnehmern, Orbán vom größten Friedensmarsch aller Zeiten. Der Wahlkampf bleibt spannend und eng.